Print 
Die deutschen Kolonien (Land und Leute) : zehn Vorlesungen / von Adolf Heilborn
Place and Date of Creation
Page
28
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

allein angeht, sondern auch ganz besonders mit Rücksicht auf den Handelsverkehr der gesamten jenseits des Njassa gelegenen britischen, portugiesischen und dem Kongostaat gehörigen Gebiete". Die zen­trale Linie endlich, von DaressalamMrogoro (225 Irrn) fertig gestellt und bereits im Betriebe, soll (mit einer Abzweigung von Kilossa nach Jringa) über Tabora (eine nördliche Abzweigung führt nach Muansa am Viktoria) nach Udjidji amTanganjika gebaut werden. Diese Zentralbahn, die zunächst zweifellos wichtigste, ist alseigent­liche Erschließungsbahn für die wirtschaftlich wertvollsten und ent­wicklungsfähigsten Bezirke im Innern der Kolonie" gedacht. Die Verbindung mit dem Mutterlande halten die Dampfer der Deutsch-Ostafrikalinie (Hamburg, 2 mal monatlich, 21 Tage Fahr­zeit), sowie eine englische und französische Gesellschaft aufrecht. Eine Reihe bedeutender geschäftlicher Unternehmungen (na­mentlich die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft mit einem Kapital von 6 721000 Mk.) unterhalten im Innern und an den Haupt­plätzen der Küste Faktoreien. Die Ausfuhr (fast ein Viertel davon geht über die Binnengrenze zur englischen Ugandabahn) betrug i. I. 1906: 10994712 Mk. Ausgeführt wurden nament­lich Kautschuk, Sisalhanf, Kokospalmenprodukte, Wachs, Kaffee, Elfenbein, Häute, Baumwolle, verschiedene Getreidearten usf. Die Einfuhr betrug 1906: 25152 851 Mk. Eingeführt wurden namentlich Textil- und Filzwaren, Erzeugnisse des Landbaus und der Forstwirtschaft, Metalle und Metallwaren usf.

Togo.

Fast um die gleiche Zeit, da uns in Lüdcritzland, in Südwest­afrika, die erste deutsche Kolonie entstand, gelang es Deutschland, seinen überseeischen Besitz noch durch zwei andre Schutzgebiete in Westafrika bedeutend zu erweitern: durch Togo und Kamerun, beide an jenen doch so unwirtlichen Küsten von Guinea gelegen, die seit den Entdeckungsfahrten der Portugiesen im 15. Jahrhundert ob der gefundenen und vermeinten Schätze, ob ihres Goldes, Elfenbeins und schwarzen Menschenfleisches, der Gegenstand maßloser Träume­reien gewesen sind.

Die Kunde der Erwerbung Togos kam ziemlich überraschend. Nur ein kleiner Kreis von Eingeweihten war von den Verhältnissen, die zur Besitzergreifung führten, näher unterrichtet. Schon im