Druckschrift 
Einführung in die Wirtschaftsgeographie : Produktion, Verkehr und Handel der Erde mit besonderer Berücksichtigung Deutschlands und der deutschen Kolonien / von Ernst Friedrich
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

IV. Der Pflanzenbau 2.

(il

beträchtliche Flächen in gemäßigten Breiten haben, begnügten sich immer mit bescheidenen Prozentzahlen der Weltproduktion. An hervorragender Stelle der Produzenten stehen immer die Vereinig­ten Staaten und Rußland und das verdanken diese Länder in erster Linie ihren riesigen Flächen. Dann kommen aber stets die kleinen Staaten: Deutschland, Frankreich, Österreich- Un­garn usw. Eine wie stolze Stellung unter den Produzenten unserer Klimazone unser Vaterland fast bei allen Erzeugnissen einnimmt, sowohl den Mengen als besonders auch den Qualitäten nach, das haben wir gesehen. Und das verdanken wir in der Hauptsache un­serer Intelligenz und unserem Fleiß oder unserer Wirtschaftsstufe.

IV. Der Pflanzenbau 2.

Wie der vorige Abschnitt uns gelehrt hatte, zeichnen sich die Kulturstaaten der gemäßigten Zone zwar durch eine umfangreiche Produktion von Nahrungs-, Genußmitteln und Faserstoffen aus, aber dieselbe ist doch immerhin auf eine geringe Zahl von Pflanzenstoffen beschränkt. Ferner reichen zum Teil für die infolge der hohen in­dustriellen Entwicklung angehäufte Bevölkerung die bei uns im Lande produzierten Gebrauchsstoffe nicht hin, oder sie können nicht in erwünschter Qualität produziert werden, so daß ein Zuschuß aus anderen Klimazonen erforderlich ist. Es sind auch neue Genuß­mittel, wie Südfrüchte, Tee, Kaffee, Kakao und wertvolle Faser­stoffe wie Baumwolle, Jute, Manilahanf und Sisalhanf, dazu andere industrielle Rohstoffe wie Kautschuk und Guttapercha in den Ge­sichtskreis der Kulturvölker getreten und haben Beifall und umfang­reiche Verwendung gefunden, können aber in den gemäßigten Breiten nicht produziert werden.

Kurz, die Völker der gemäßigten Zone begehren in den anderen Klimazonen eine Reihe von Pflanzenstoffen und suchen sie an sich zu ziehen, indem sie mit Industrieerzeugnissen bezahlen. Ein Teil solcher Stoffe gelangt, wie wir sahen, als Sammelprodukt zu uns. Aber die wirklich wichtigen, ja unentbehrlichen Gegenstände des Handels von den anderen Klimazonen zur gemäßigten Zone müssen natürlich angebaut werden, um der stets steigenden Nachfrage der Kulturvölker zu genügen, wie besonders die unserer Industrie Roh­stoffe liefernden Pflanzen. Eine völlige Umwälzung des Pflanzen­baus vollzieht sich in vielen außerhalb unserer Zone gelegenen Län­dern. Zu dem bisherigen Pflanzenbau für den Eigenbedarf tritt der für den Weltmarkt. Soweit man dort die in den Kulturländern begehrten Pflanzenstoffe schon in Pflanzungen erzeugte, mußten letztere erweitert werden; soweit man sie noch nicht anbaute, ging man zu ihrer Anpflanzung über. Es wanderten aber auch unterneh­mende Männer von den Ländern der gemäßigten Zone selbst aus,