II. Die Sammelwirtscliaft und ihre geographische Verbreitung. 27
in der Kultur aufsteigen und uns nacheifern. Bei gleicher Wirtschaftsstufe wird aber Kleinheit des Raumes, die die Bevölkerungszahl schließlich beschränkt, verhängnisvoll. Und darum muß Deutschland eilen, mit den anderen Kolonialmächten sich das viermal größere Kolonialreich, das ihm zugefallen ist, zu entwickeln, damit uns das Zeitalter der großräumigen Weltmächte mit an der Spitze findet^^
II. Die Sammelwirtscliaft und ihre geographische Verbreitung.
Die Sammelwirtschaft ist, wie ich vorher (S. 19 f.) zu berühren Gelegenheit hatte, eine Vorstufe der eigentlichen, durch überlegte zweckmäßige Einwirkung auf die Natur zustande kommenden Wirtschaft. Ihr Charakteristikum ist, daß sie die menschliche Bedürfnisbefriedigung erreicht durch die sammelnde Entnahme von Pflanzen-, Tier- und Mineralstoffen aus der Natur, die von letzterer gewissermaßen freiwillig an den natürlichen Vorkommensarten, zu den natürlichen Wachstums- bzw. Bildungszeiten ohne besondere Einwirkung des Menschen dargeboten werden. Die Wirtschaftsformen der Sammelwirtschaft, die zunächst zur Sprache kommen sollen, sind das Sammeln von Pflanzen und Pflanzenstoffen, die Jagd und die Fischerei.
Die genannten Wirtschaftsformen der Sammelwirtschaft stehen im Gegensatz zu den Wirtschaftsformen des Pflanzenbaues, der Tierzucht und der Fischzucht. Im Pflanzen- oder Ackerbau, wie wir sagen, wird eine Pflanze vom Menschen an gewolltem, wohl vorbereitetem Orte angesiedelt, geschützt, gepflegt, in der Art beeinflußt und abgeerntet. In der Tierzucht schart der Mensch Landtiere um sich, sorgt für ihre Nahrung, pflegt sie und beeinflußt ihre Art, um sie dann am gewollten Orte und zu erwünschter Zeit nutzen zu können. Auch die Fischzucht bezweckt Konzentration der wirtschaftlichen Leistung an einem Orte und Steigerung des Ertrags.
Der Unterschied zwischen den Wirtschaftsformen der Sammelwirtschaft und denen der eigentlichen Wirtschaft liegt also wohl hauptsächlich darin, daß dort die Natur die Orte und die Zeiten, die Mengen und Qualitäten der Bedürfnisbefriedigung vorschreibt, hier: in Ackerbau, Tierzucht und Fischzucht, der Mensch, dadurch, daß er die Pflanzen und Tiere an sich heranzieht und somit frei über sie verfügt.
Es ist wohl leicht ersichtlich, welche gewaltigen Vorzüge Pflanzenbau, Tierzucht und Fischzucht haben vor dem Sammeln von Pflanzen, dem Sammeln von Landtieren, das wir Jagd, und dem Sammeln von Meerestieren, das wir Fischerei nennen. Beim Pflanzensammeln muß der Mensch die Nutzpflanzen dort aufsuchen, wo sie gerade stehen, zu der Zeit, zu der sie gerade nutzbar sind, z. B. Früchte tragen. Den beweglichen Nutztieren muß er nachjagen,