Grundriss des Ki = Nyamwezi.
Von A. Seidel.
V orb emerkung.
Die Grundlage für die nachfolgende Arbeit ist eine von mir aufgestellte Sammlung von 125 Sätzen gewesen, von denen Herr Premier-Lieutenant Werth er vermittels eines guten Dolmetschers eine Ubersetzung angefertigt hat. Sein Gewährsmann stammte aus Usongo, überlieferte also den Usongo-Dialekt des Ki-Nyamwezi. Es war ein glücklicher Umstand, dass Herr Hauptmann Leue gleichfalls eine Ubersetzung dieser Sätze besorgt hatte, die mir durch gütige Vermittlung der Kolonial-Abteilung des Auswärtigen Amts zugegangen ist. Leue hat seine Aufzeichnungen in der Landschaft Unyanjembe gemacht. Im allgemeinen stimmen die beiderseitigen Ubersetzungen recht gut zu einander und ergänzen und berichtigen sich gegenseitig in vielen Punkten. Heide Übersetzungen erweisen sich durch diese Vergleichung unter sich und mit anderweitigem Material als sehr wertvoll. Als Ergänzung zu diesem grundliegenden Material konnte ich zunächst S teer es Collections for the Nyamwezi Language benutzen (London, Soc. f. P. Chr. Kn.). Steere will gleichfalls den Dialekt von Unyanjembe darstellen, und seine Angaben stimmen in der That zum grossen Teil mit L e u es Aufzeichnungen sehr gut überein. Indessen waren seine Gewährsmänner nach seinem eigenen Geständnis teils unzuverlässig, teils nicht eingeborne Wa-Nyamwezi, sodass in dem von ihm gesammelten Material neben vielem ächten Sprachgut doch auch manches fremde, besonders aus dem Suaheli, zu finden ist. Auch sind die von ihm entworfenen Grundlinien der Grammatik in manchen Beziehungen noch lückenhaft. Last giebt in seiner Polyglotta Afri- cana Orientalis (London, Soc. f. Pr. Chr. Kn.) einiges über den Dialekt der Wa-Sumbwa und der Galaganza. Ich habe schon öfter darauf aufmerksam gemacht, wie wenig die Lastschen Aufzeichnungen auch nur vor der inneren Kritik bestehen; im Vergleich mit dem vorliegenden Material zeigen sie gleichfalls viele Abweichungen, die nur zum Teil auf dialektische Verschiedenheit zurückzuführen sein dürften. Einige kurze Fabeln in Ki-Nyamwezi hat Stuhlmann in seinem Werke: „Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika" mitgeteilt, die als ziemlich korrekte Sprachproben angesprochen werden können. Ferner verdanke ich der Güte des P. Loonus eine Übersetzung des Vaterunsers, die von P. Gosseau von der Mission der „Weissen Väter" herrührt. Endlich konnte ich eine von der Church Missionary Society unter dem Titel „Lupa- pula lwa wuandia mu Ki-Nyamwezi" veröffentlichte, ca. 30 Seiten umfassende Übersetzung von Gebeten, Liedern und Teilen des Neuen Testaments benutzen ') Dies gesamte Material wird in ausführlicher Bearbeitung demnächst
J ) Im Folgenden bezeichne ich meine Quellen folgendermassen : W. = Werther. L. ■—Leue. St. = Steere. P. =Polyglotta. Lup. = Lupapula etc.