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Die mittleren Hochländer des nördlichen Deutsch-Ost-Afrika : wissenschaftliche Ergebnisse der Irangi-Expedition 1896 - 1897 nebst kurzer Reisebeschreibung / im Auftrage der Irangi-Gesellschaft hrsg. von dem Führer der Expedition C. Waldemar Werther
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Grammatik der Sprache von Irangi.

Mit Texten und einem Wörterverzeichnis von A. Seidel.

Vorbemerkung.

Für die Bearbeitung des nachfolgenden grammatischen und lexikalischen Abrisses der Sprache von Irangi standen mir folgende Materialien zur Ver­fügung:

a) eine Sammlung von 114 kurzen Sätzen in dieser Sprache. Ich habe im Jahre 1895 ein Schema zur Aufnahme ostafrikanischer Bantusprachen in Deutsch und Suaheli aufgestellt, worüber ich im I. Heft, S. 1 ff. 1896 meiner Zeitschrift berichtet habe. Herr Premierlieutenant Werth er hat dasselbe in Irangi durch Eingeborene in deren Sprache übertragen lassen. Die Sätze sind am Schlüsse dieser Skizze abgedruckt;

b) eine Sammlung von ca. 800 Wörtern und einzelnen Sätzen, von dem­selben Gewährsmann aufgenommen;

c) die kleine Sammlung von Last in dessen Polyglotta Africana Orientalis (London 1885) S. 176178.

Last verdankt sein Material einem Uzegua-Mann, Namens Kitindi, der Irangi auf seinen Jagdzügen häufig besucht hatte und seine Mitteilungen aus dem Gedächtnis machte. Schon hieraus geht hervor, dass Lasts Material hin­sichtlich seiner Zuverlässigkeit geringer zu bewerten ist als das von Werther an Ort und Stelle gesammelte. Lasts Angaben weichen auch stark von den Wertherschen ab und bestehen bei weitem nicht durchweg so gut vor der innerlichen Kritik, der Vergleichung unter sich, wie es mit den Wertherschen Angaben der Fall ist. Last giebt z. B. auf einer Seite das Wort für Vater in zwei verschiedenen Formen: msedea (dreimal) und msedia (siebenmal). Für er" giebt er auf S. 176 iya, uya, zwei Seiten später uyu.Er war" lautet auf vS. 178 einmal ali und einmal yali. Fürschlagen" laufen die Formen hula und kula fortwährend durcheinander. Für einzelne Begriffe hat er sehr sonderbare Wortformen, die, wenn sie wirklich in der Sprache von Irangi vor­kommen sollten, jedenfalls nicht auf Bantuboden erwachsen zu sein scheinen, wie twahtl (Hand) statt des von W. verzeichneten ächten Bantuwortes mkono, saiti (Nase) statt mpula, baiti (Kopf) statt mutwe, kau (Feuer) statt moto etc. Werthers Aufzeichnungen schwanken mitunter in der Unterscheidung von o und u, l ) sowie geschlossenem e und i, kongruieren aber sonst vortrefflich in sich, und ihnen bin ich daher in zweifelhaften Fällen vorzugsweise gefolgt.

l ) Die Umbugwe-Leute bevorzugen nach W. das u, so dass dieses Schwanken zum Teil wohl auf dialektische Unterschiede zurückzuführen wäre.