Die Reptilien und Amphibien Deutsch=Ost=Afrika's.
Mit besonderer Berücksichtigung der von der Irangi-Expedition
durchzogenen Gebiete.
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Von
Dr. Gustav Tornier.
Kriechtierfauna Deutsch-Ost-Afrikas besteht aus einer Krokodilart, 6 Schildkröten-, 71 Eidechsen-, 62 Schlangen-, 36 Frosch- und 4 Blind- wühlenarten; in Summa also aus 180 Arten. •—
Abschnitt I: Das Krokodil.
Das in unserem Schutzgebiet lebende Krokodil ist das gewöhnliche Nilkrokodil, Crocodilus vulgaris. Es ist in Ost-Afrika in allen Flüssen häufig und erreicht oft ganz gewaltige Grösse. Sein Schwanz ist an den Seiten zusammengedrückt und seine vierzehigen Hinterfüsse haben — im Gegensatz zu den Vorderfüssen — grosse Schwimmhäute. Der Rücken und Schwanz des Tieres ist mit grossen viereckigen Schildern bedeckt, deren Unterlage durch Knochenplatten gebildet wird, wodurch die Haut eine sehr grosse Widerstandsfähigkeit erwirbt. Die bei dem Tiere am rechten und linken Rückenrande liegenden Schilder sind ausserdem besonders gross und bilden
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deshalb je eine scharfe Rückenkante. Die beiden Kanten vergrössern sich an der Schwanzwurzel zu zwei Zackenkämmen, die auf einander zulaufen und gegen das Ende des Schwanzes zu einem einzigen Zackenkamm verschmelzen. Die Zunge des Krokodils ist ein plattes Oval, das bis auf die nur wenig hervorragenden Ränder unbeweglich mit der Unterkieferschleimhaut verwachsen ist. Der vierte Zahn des Unterkiefers des Tieres dient seiner Grösse wegen als Fangzahn und passt in einen Ausschnitt des Oberkiefers. Die Nasenlöcher der Krokodile, die ganz vorn auf der Schnauzenspitze liegen, und ihre Ohröffnungen sind verschliessbar. —
Uber die Brutpflege des Krokodils in Madagaskar hat A. Voetzkow sehr interessante Angaben gemacht, die deshalb besonders wichtig sind, weil von anderer Seite behauptet wird, dass in Ost-Afrika das Krokodil eine derartige Brutpflege nicht hat. Es wäre eine Nachuntersuchung dieser Angaben daher sehr am Platze; sie selbst lauten: Das Nest besteht aus einer etwa 1 1 2 bis 2 Fuss tiefen Grube mit teilweise steilen Wänden, die am Grunde unterhöhlt sind. Da der Boden der Grube in der Mitte etwas erhöht ist, rollen die Eier beim Legen von selbst an die unterhöhlten Stellen. Die Grube wird dann vom Weibchen so zugescharrt, dass sie von aussen nicht kenntlich ist.