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Zur Abwehr und Verständigung : offener Brief an Herrn Major von Wissmann ... / von G. Warneck
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zur Ordnung und Disciplin angehalten ist", konsequenterweise bei unsern heimischen Arbeiter« uud Soldaten die christliche Lehre auf den allerfruchtbarsten Boden fallen müßte; endlich

9. daß keine evangelische Missions-Gesellschaftmit dem Katechismus und der Lehre von der Dreieinigkeit" ihre Thätigkeit unter den Heiden ansängt". Herr Dr. Schröder hat vermutlich eingehende Missionsstudien gemacht und wird die Güte haben, diejenigen Missionen und Thatsachen namhaft zu machen, welche solchen von ihm behaupteten Misstonsanfang beweisen. Warneck.

III.

Das Urteil des KeichsKommissars v. Wißmann über römische und evangelische MWonserfolge in Afrika.

Von Merensky, Missions-Superintendent.

Das Urteil, welches der eben erst nach Europa zurückgekehrte Reichs­kommissar v. Wißmann über den angeblichen Mißerfolg evangelischer Missionsarbeit in Afrika fällen zu dürfen glaubte, hat weite Kreise des evangelischen Volkes tief schmerzlich berührt, um so schmerzlicher, als zu gleicher Zeit die Erfolge der römischen Mission hoch gepriesen wurden. Viele Leute, die der Sache ferner stehen, welche von der Arbeit beider Kirchen in der Heidenwelt nichts wissen, werden geneigt sein, dies Urteil, weil es aus dem Munde eines afrikakundigen Mannes kommt, als ab­schließend und unanfechtbar hinzunehmen. Wir müssen dies Urteil unbe­rechtigt nennen. Man kann ein Organisator von hervorragendem Talent und ein militärisches Genie ersten Ranges sein und doch für Fragen, welche kirchliches und christliches Leben betreffen, kein tieferes Verständnis haben.

Es muß zunächst befremden, daß der weitgereiste Mann, wie es den Anschein hat, sein Urteil nur auf die Zustände gründet, die er in Ost­afrika vor Augen hatte. Uns dünkt, er hätte, wenn er allgemeines Urteil fällen wollte, doch auch die Zustände nicht außer betracht lassen dürfen, welche er bei seinen früheren Reisen auf der Westküste Afrikas, z. B. in St. Paulo de Loanda, in Dondo am Kuanza und endlich in Malange kennen lernte, wie sie in dem ersten und zweiten Kapitel des BuchesIm Innern Afrikas" beschrieben sind. Hier arbeitet die römische Mission nach­weislich seit 3400 Jahren; sie hat aber so wenig segensreiche Spuren ihrer Thätigkeit hinterlassen, daß man die dort lebende eingeborene Bevölkerung als eine heruntergekommene und verdorbene bezeichnen kann, die an guten