Drei Perioden der Kolonialpolitik.
71.
VI. Kapitel.
> Der Ausbau des englischen Kolonialreiches im 19» Iahrhmrderl.
Die. rasche Entfaltung der englischen Industrie mußte naturgemäß - auch auf die englische Kolonialpolitik starke Rückwirkungen ausüben. Einmal war eine Folge, der schnellen Steigerung der Produktion das Suchen nach immer neuen Absatzgebieten; da erfahrungsgemäß Kolonien, namentlich in ihrem Jugendalter,' ihre Bedürfnisse überwiegend aus dem Mutterlande decken, so schien eine kühne und weitsichtige Kolonialpolitik, die auf den Ausbau und die Erweiterung der vorhandenen Kolonien und auf den Erwerb neuer bedacht war, auch im Interesse des Exportes zu liegen. Und wenn diese Kolonien, über den Erdball zerstreut, in den verschiedensten Zonen liegend, ihre Produkte wiederum dem Mutterlande abgaben, so vermochten sie dessen Bedürfnisse an den Rohprodukten für mancherlei Industrien, aber auch an Ernährungsprodukten zu decken, darüber hinaus auch noch andere Völker in beiden Beziehungen zu versorgew Und endlich bildete natürlich jede Kolonie einen Stützpunkt" für Englands Kriegs- und Handelsflotte.
Das 19. Jahrhundert hat denn auch eine gewaltige Erweiterung des britischen Kolonialreiches gebracht; erst in diesem Jahrhundert überflügelte es nicht nur die Weltreiche des Altertums, sondern auch das bis dahin größte der Neuzeit: das russische Reich. Aber in diesem Aufsteigen zeigen sich doch deutliche Einschnitte; man wird in der Entwicklung der britischen Kolonmlpölitik während des 19. Jahrhunderts etwa drei Abschnitte unterscheiden können. Bis ungefähr zur Mitte des Jahrhunderts nehmen wir einen ruhigen, gleichmäßigen Weiterausbau des Kolonialreiches an den wichtigsten Punkten in Indien, Nordamerika, Australien wahr, es zeigt sich eine größere Planmäßigkeit in der Abrundung und Verwertung des Kolonialgebietes namentlich auch von seilen des Staates selbst. Dann aber tritt eine Zeit der Stockung ein, und es ist kein Zufall, daß sie zusammenfällt mit dem Zeitpunkte, wo das Freihandelssystem auf der ganzen Linie siegreich vorging. Denn indem das Manchestertum die letzten Konsequenzen aus seiner Lehre zog, mußte es auch jeden Eingriff Englands in das Wirt-