nur für die Völker Europas, sondern für das Schicksal und für die Zivilisation des gesamten Menschengeschlechts eben darin zu bestehen, daß die Völker Europas Schwierigkeiten haben, die neue moralische Kultur sich anzueignen; nicht aber in der Kultur der gelben Rasse. Die Bevölkerung Europas, die größenteils den Sinn für die Kraft und Heiligkeit der mittelalterlichen Kultur verloren hat und der neuen Kultur noch nicht genügend teilhaftig ist, um sie als beherrschende Kraft zur Aufrechterhaltung bürgerlicher Ordnung zu be- nützen, muß gegenwärtig in Ordnung gehalten werden, nicht nur durch eine moralische Kraft irgendeiner Art. sondern durch die rohe physische Kraft der Polizei oder des sogenannten Militarismus." In diesen Worten tritt das Selbstgefühl des gebildeten Chinesen gegenüber derjenigen Seite der europäischen Kultur zutage, die ihm prinzipiell als barbarisch erscheint. Was wir das freie Spiel der Kräfte nennen — ein Begriff, der uns trotz mancher Ausartungen im einzelnen als Ganzes für den Kulturfort- schritt doch nicht entbehrlich ist — das erscheint dem Chinesen als etwas außerhalb der Sphäre wahren Menschentums Liegendes.
IV.
Die ckinesiMe Etaatsidee und die Reform.
Auch die gebildeten Anhänger der confucianischen Welt- anschauung in China müssen zugeben, daß die chinesische Nation und der chinesische Staat trotz ihrer den West- Völkern vermeintlich wesensüberlegenen Kultur gegenwärtig politisch herabgekommen sind. Zu dieser für jeden Chinesen höchst schmerzlichen Frage gibt Professor Franke vom hamburgischen Kolonial-Institut in seinem 1911 erschienenen vortrefflichen Werk „Gstasiatische Neubildungen" eine Anzahl chinesischer Stimmen wieder, die allesamt darauf