II.
Der Ansturm der Angelsachsen auf das MittelreicK.
Es wäre ein großer Irrtum, wenn wir annehmen wollten, daß die große Staats- und Kulturreform darum von den Chinesen ins Werk gesetzt wird, weil sie eine besondere Zuneigung zu dem westlichen Wesen gefaßt hätten und von der inneren Überlegenheit der abendländischen über ihre eigene alte Kultur überzeugt seien. Das Gegenteil ist der Fall. Mehr als je herrscht heute in China die Losung: China für die Chinesen? und wenn China sich jetzt dazu bequemt, die „westliche Wissenschaft" anzu- nehmen, so tut es das, um sich gleich den Japanern mit Hilfe dieses neuen Wissens in politischer Beziehung der Fremden um so nachdrücklicher zu erwehren und sie womöglich zu besiegen. Oas ändert aber nichts an der Tatsache, daß mit oder ohne den Willen der Chinesen der Einfluß der europäi- schen Kultur und Wissenschaft auf China auch innerlich ein gewaltiger sein wird, und wir sehen, daß die Engländer und die Amerikaner sich mit einer Tatkraft, wie sie nur ihnen eigen ist. auf die Aufgabe geworfen haben, durch Beeinflussung des chinesischen B i l d u n g s w e s e n s die neue Kul- tur, der China entgegengeht, zu einem Ableger der angelsächsischen Kulturart zu machen. Wir sehen Personen und Kräfte, wie Roosevelt und Rockefeller, die angelsächsische Universitäten diesseits und jenseits des Gzeans, die amerikanischen Geldfürsten und die englische Aristokratie, die Missionen, die Konsulate, die anglo-indischen Behörden und eine Menge von privat- leuten eine bewunderswürdige Initiative dazu vereinigen, angelsächsische Unterrichtsanstalten aller Art auf chinesi- schem Boden zu schaffen. Besonders wichtig und von tvpi- scher Bedeutung für diese weitblickende Arbeit ist ein Auf- ruf, den die Londoner „Times" und nach ihr eine Reihe von großen englischen, amerikanischen und Kanadi-
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