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Bremen als Auswandererhafen 1683 - 1880 / Rolf Engelsing
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VI. Die Abwicklung des Auswandererverkehrs

a) In Bremen

Als Anmarschwege der Auswanderer kamen hauptsächlich die Einfalls­straßen von Osnabrück, Hannover und Oldenburg in Frage. Da Wanderun­gen zu Fuß unzweckmäßig, Reisen mit der Postkutsche für die meisten aber zu teuer waren, besorgten Warenfrachtfuhrleute die Beförderung. Sie ge­hörten in den dreißiger wie vierziger Jahren zu den gesuchtesten und best­bezahlten Agenten, zumal jeder Personentransport sich mittelbar für den Ausbau des bremischen Warenverkehrs benutzen ließ 422 ). Der Mangel eines ausgebreiteten Wasserstraßensystems im Hinterland, welches immer die billigste Beförderung garantiert, erwies sich wie überall auch in Bremens Auswanderungsgeschäft als ein Nachteil gegenüber den holländischen Häfen und sogar Le Havre, wohin die Reisenden vielfach zunächst rheinabwärts und sodann mit Dampfschiffen ab Rotterdam fuhren. Später als auf dem Rhein trat 1843 auf der Weser nach Ausräumung des hannoverschen Widerstandes die Dampfschiffahrt ins Leben. Unter der Firma derVer­einten Weserdampfschiffahrtsgesellschaft auf der Oberweser", namentlich auf Betreiben des Senators Duckwitz und des nachmaligen Auswanderer­expedienten Ichon gegründet, nahm sie den Verkehr ab Hannoversch-Mün- den und Hameln auf und wußte mit Preisen von zwei Talern für Aus­wanderer ab Hannoversch-Münden die Kosten fast ebenso niedrig zu hal­ten wie Flußkähne, die man bisher öfters verwandt hatte. Die Auswanderer brachten der Gesellschaft dafür im Durchschnitt etwa ein Viertel ihrer Einnahmen ein 423 ).

Entscheidenden Wandel schuf die Einrichtung der Eisenbahn, die im Dezember 1847 auf der Strecke WunstorfBremen in Betrieb genommen wurde und Auswanderern von Anfang an ermäßigte Tarife bot. In Bremen wandte man besondere Mühe auf, um die von Deutz kommende Bahn, die in Minden auf die bremische Strecke stieß, für das Auswanderungs­geschäft nutzbar zu machen. Angesichts der Gefahr, daß die Bahnlinien zwischen Köln und Antwerpen in Süddeutschland preisgünstiger arbeiteten und sowohl Bremens Personen- wie Warenverkehr nach Nordamerika be-

122 ) Vgl. Hespenheide, Einflüsse, S. 8; Hansen, Migration, S. 192. J23 ) Jahresberichte der Gesellschaft 1844 ff.; H. Meidinger, Die deutschen Ströme, Leipzig 1853, Bd. 1, S. 37 f.; 4, S. 32; Rauers, Binnenhandel, S. 106 ff.

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