I. Die Auswanderung vom 17. Jahrhundert bis 1830
Als ausgangs des 17. Jahrhunderts die deutsche Auswanderung nach Nordamerika einsetzte, wurde Bremen sogleich zum Einschiffungshafen und erwarb dadurch zum ersten Male 4 ) kaufmännische Beziehungen zur Neuen Welt. Der Anstoß ging von England aus. Um der Verfolgung zu entgehen, der seine Sekte auf der Insel ausgesetzt war, wünschte der Quäker William Penn, für sich und seine Glaubensgenossen eine Freistätte in Nordamerika zu schaffen. Zu diesem Zweck erwarb er seit 1674 Grundbesitz in der Kolonie New Jersey. Drei Jahre später reiste er nach Deutschland, um Anschluß an nord- und westdeutsche Pietisten zu finden und auch unter ihnen Käufer und Siedler anzuwerben. Ein Zufall verschaffte ihm in Herford die Bekanntschaft eines bremischen Kaufmanns, mit dem er sich eingehend über religiöse Gegenstände unterhielt. Dieser verwies ihn auf einen pietistischen bremischen Geistlichen, vermutlich den Schrittmacher der Richtung, Theodor Undereyck, und lud ihn ein, in seiner Wohnung in Bremen mit ihm zu verhandeln. In Begleitung holländischer und englischer Kaufleute besuchte Penn Bremen daraufhin vom IS. bis 20. Juli 1677. Zwar schlug Undereyck ein Gespräch aus, da er seine Stellung als Haupt einer auch in Bremen vorerst mißliebigen Partei nicht unnötig gefährden wollte. Dafür kam es zu Unterredungen mit verschiedenen anderen Anhängern des Pietismus, und Penn buchte den Aufenthalt mit Recht als einen Erfolg für sein Bekenntnis. Über das Ansiedlungsprogramm schweigt sein Reisebericht 5 ). Daß es aber zur Sprache kam und ebenfalls ein günstiges Echo fand, erwies der Fortgang.
Nachdem sich Penn nämlich zwecks Tilgung von Schuldforderungen seines Vaters an die britische Regierung 1681 auch mit einem Landstrich am Delaware, dem späteren Pennsylvanien, hatte belehnen lassen, konstituierte sich in Frankfurt am Main eine „Pennsylvanische Compagnie" und erwarb von Penn 25 000 Äcker zu 10 000 sh nebst jährlicher Steuer. Bereits ein Jahr nach der Gründung, 1683, schiffte sich Franz Daniel Pastorius als Bevollmächtigter der Gesellschaft mit den ersten Siedlern über Holland und England nach Pennsylvanien ein und gründete Germanopolis, nachmals
') Die Vermutungen von Johann Georg Kohl, Über die Spuren einer alten Schiff- fahrts- und Handelsverbindung Bremens mit dem Norden Europas und mit Amerika im 11. Jahrhundert. In: Brem. Jb., 4, 1869, S. 436 ff., widerlegt Beutiii, Bremen, S. 273.
5 ) William Penn, Journal of his travels in Holland and Germany in 1677, London 1835, S. 26, 116 ff.; Wilhelm Hubben, Die Quäker in der deutschen Vergangenheit, Leipzig 1929, S. 21, 109 ff.
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