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Bremen als Auswandererhafen 1683 - 1880 / Rolf Engelsing
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IV. Die Schiffahrt

a) Der Verkehr mit den USA bis zum Aufkommen der Dampfschiffe

Bis 1831 überwog die Zahl der aus Nordamerika in Bremen einlaufenden Segler den Gegenverkehr beinahe um das Doppelte. 1827 trafen 78 Fahr­zeuge ein und gingen 47 aus, 1830 betrug das Verhältnis 91 zu 51. Soweit sich bremische Schiffe beteiligten, fuhren sie meist über Holland und Eng­land, gelegentlich auch Mittelamerika, während amerikanischeRegular Traders" den Liniendienst versahen 208 ). Nach Beginn der Auswanderung vermochten sie sich nur vereinzelt zu behaupten, zumal der ausgehende Verkehr seit 1833 den eingehenden erheblich übertraf. Bald liefen amerika­nische Schiffe Bremen fast nur noch auf dem Umweg über die Westhäfen an 26!) ). Statt dessen richteten nunmehr die bremischen Reeder unverzüglich Linien ein, sobald die Gründung von Auswandereragenturen die nötigen Voraussetzungen geschaffen hatte. Die bislang gewöhnliche wochen-, ja monatelange Aufschiebung der Ausreisen fiel bald fort, da die Aus­wanderung im Unterschied zum Frachtverkehr Regelmäßigkeit sowohl forderte wie sicherte 270 ).Auf der Grundlage der Auswandererbeförderung entstand die regelmäßige Schiffahrt zwischen Deutschland und Amerika", urteilte ein bremischer Unternehmer 271 ). Bereits im Sommer 1832 setzte man die Expeditionen einheitlich auf den 1. und 15. jeden Monats fest und behielt sie seitdem für Segler dauernd bei. Nur in Ausnahmefällen verzögerten sich die Abfertigungen um mehr als einige Tage. Es gelang, die Nutzung der Flotte ungemein zu erhöhen. Nachdem vor 1831 kaum ein bremisches Schiff im Jahr mehr als eine überseeische Reise ausgeführt hatte, gingen schon 1834 drei Segler dreimal, 13 zweimal und nur noch 29 einmal jährlich nach Häfen der nordamerikanischen Ostküste in See. 1843 erledigten acht drei und 34 zwei Rundreisen, während 25 einmal verkehrten. Ein bremischer Kaufmann bemerkte später, daßdie Raschheit, mit welcher die Expedition der Schiffe hier vollzogen wird, einer der Hauptvortheile ist, durch welche Bremens Schiffahrt und Rhederei groß-

208 ) Smidt, Übersicht 1841, S. 2.

209 ) Zollvereinsblatt 4, 1846, S. 18; Weser-Ztg. 937, 1847. 27 °) Bremer Handelsblatt 8, 1851.

- 7i ) Heinrich Wiegand in: Der Staat Bremen. Berlin 1906-1911, Einleitung; vgl. Bechtel, Eingabe, S. 16; (Carl Schünemann), Die Stellung Bremens zum Zollverein, Bremen 1854, S. 8.

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