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Bremen als Auswandererhafen 1683 - 1880 / Rolf Engelsing
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z. T. selbst nach Liverpool, dem Weltplatz für Baumwolle, nicht mehr weniger bot, trafen die Zufuhren regelmäßig ein. Jeder in Bremen gelöschte Ballen ließ sich schon 1851 um etwa IV4 Dollar billiger verkaufen, als es in den bisher größten kontinentalen Baumwollhäfen Hamburg, Ant­werpen, Le Havre und Triest möglich war 217 ).

1852 trat eine vorübergehende Stockung ein, deren Ursache aufschluß­reich ist.Die guten Frachtsätze waren Ursache, daß nicht so viel Baum­wolle zugeführt wurde", schrieb das Bremer Handelsblatt. Bremens Anziehungskraft minderte sich, weil die Reeder günstigeren Artikeln den Vorzug geben konnten. Trotzdem war vorauszusehen,daß der durch die immerfort wachsende Auswanderung gesteigerte Schiffsverkehr wesentlich beitragen werde, diesen Geschäftszweig in Bremen zu immer höherer Blüthe zu bringen etwa in ähnlicher Weise, wie es mit dem Tabackhandel geschah" 218 ). 1856 erlosch die Baumwolleinfuhr aus England völlig, wäh­rend etwa 90 Prozent aus den USA stammten. In Hamburg begann man 1853 Konsignationen zu verweigern, weil der in Hamburg übliche Bezug aus England oft zu geringe Vorteile bot:Schon jetzt werden die Ordres der Inländer . . . gewöhnlich mit der Vorschrift gegeben, vorzugsweise nach Bremen zu verladen" 2I °). Der Kaufmann Delius erklärte Bremen für fähig, die Fabriken in Wien billiger als Triest zu beliefern und den adriatischen Hafen zu schlagen 220 ). Kurz: die Auswanderung zog die Einfuhr hoch, der Handel verstand es, die angebahnten Geschäftsbeziehlingen auszubauen. Die Kaufmannsreederei, die den Risikoausgleich gestattete, bewährte sich dabei vorzüglich. Nur ein Siebentel der Einfuhr erfolgte z. B. 1854 auf nichtbremischen Schiffen, während die fünf bedeutendsten bremischen Baumwollimporteure bis auf eine Ausnahme zugleich zu den tätigsten Auswandererreedern gehörten, allen voran D. H. Wätjen Sc Co., die in den fünfziger Jahren im Rückverkehr fast ausschließlich Baumwolle laden ließen.

1850 verschiffte Bremen 26 000 Auswanderer und bezog aus den USA 9900, aus Westindien 800 Ballen Baumwolle, 1854 standen 77 000 Aus­wanderern 50 500 Ballen aus den USA, 500 aus Südamerika und 1100 aus Westindien gegenüber. Hamburgs Baumwollhandel übertraf den bremi­schen 1850 mit 251 000 zu 45 000 Zentnern um mehr als das Fünffache, 1855 mit 437 000 zu 237 000 knapp um das Doppelte. 1858 lag Bremen mit 409 000 Zentnern vorn, während Hamburg nur noch 296 000 erreichte. Bremen kam dabei zustatten, daß die weltwirtschaftliche Krise von 1857,

"- 17 ) Bremer Handelsblatt 218, 1855; Andree, Umwandlungen, S. 303. 218 ) Bremer Handelsblatt 66, 1853; Oberbauer, Antwerpen, S. 57; Deutsche See­schiffahrt, S. 283. 210 ) Beutin, Baumwollchronik, S. 23. 22 °) Handels-Archiv 1858, 2, S. 280.

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