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Auf dem Missionspfade in Deutsch-Ostafrika : von Sansibar zum Kilimandscharo : Reise-Bericht gewidmet den deutschen Katholiken / von P. Theophil Schneider, C.S.Sp.
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VI. Kapitel.

Lin Monat aus meinem Hagebuche in der Wission Winothorst.

Rosenkranzfest. Vier Trauungen. Was die Aussteuer junger Eheleute kostet. Die Schule in Kirna. Wichtigkeit der Katecheten. Gründung einer Schule bei den Buschleuten. Dürre und Wettermacher. Sandflvhe; ein Mittel dagegen. Anbetung des allerh. Sakramentes.

1. Oktober 1898.

sir beginnen den Rosen­kranzmonat. Im Abend­gottesdienste erkläre ich den zahlreich erschiene- Schwarzen, warum der hl. Vater der Papst allen Katho­liken der Erde das Beten des Rosenkranzes während dieses Monats ganz besonders ^ empfehle.

Das Abbeten des Rosen- ? kranzes in allen unsern Missio­nen geschieht auf folgende Weise: Die ganze Epistelseite also Männer, Jüng­linge und Knaben betet vor, die Evan­gelienseite d. i. Frauen, Jungfrauen und Mädchen, betet nach. Nach dem Rosenkranz werden zwei Strophen eines Muttergottes­liedes gesungen und zwar in der Kisuaheli- Svrache. Darauf findet das gemeinschaftliche Abendgebet statt.

Wie ergreifend, ja geradezu hinreißend ist es, so eine ganze Christengemeinde mit voller kräftiger Stimme beten oder singen zu hören!

2. Oktober. Rosenkranzfest. Wohl tausend Eingeborene waren für den feier­lichen Sonntagsgottesdienst herbeigeströmt.

Es istu nglaublich, mit welch gespanntem Interesse die Schwarzen die verschiedenem Zeremonien so eines feierlichen Hoch­amts verfolgen! Afrikanische Missionäre sollten das nie vergessen und nicht zu leicht sich mit einer Stillmesse begnügen. Ich weiß es allerdings aus Erfahrung, wie äußerst anstrengend es in Afrika ist, ein Hochamt abzuhalten, zu predigen und nach dem Gottes­dienst oft noch die Katechumenen zu unter­richten. Ich weiß aber auch und da wird mir wohl jeder Missionar beipflichten, daß jener natürliche Hang des Negers für Aeußerlichkeiten, insbesondere seine kindliche Freude an den Zeremonien unserer hl. Religion, die beste Hanvhabe ist, denselben zu fassen und seine Seele zu gewinnen. Hat nämlich der Schwarze unsern äußerlichen Kultus einmal liebgewonnen, so wird es dem er­fahrenen Missionar leicht sein, denselben noch einen Schritt weiter zu führen und ihm die innerliche Notwendigkeit und Erhabenheit der christlichen Religion darzulegen.

4. Oktober. Zwei Romboleute kamen von Fischerstadt. Jeder trägt auf seinen Schultern die Hinterläufe erlegter Kongoni. Bruder Mathern war in der Steppe, um einen geeigneten Kalkplatz zu suchen, und bei dieser Gelegenheit ist es ihm gelungen, zwei dieser Tiere zu erlegen. Kein Tier kommt

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