I. Kapitel.
An Sansibar zum Kilimandscharo.
Einleitung. — Die Knstenstädte einst und jetzt. — Abreise znm Festlande. — Mombassa. — Alls der nenen Eiseilbahn. — Die Ndara-Berge. — Mission in Vnra. — Leben uud Sitteu der Wateita. — Taveta. — Kilema. — Empfang in der Mission Windthorst.
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roßartig ist der Umschwung, der sich in ^ den letzten zwei Jahren in Ostafrika vollzogen Ä hat, sowohl an der Küste wie auch im Innern. Reisende, ' welche vor einigen Jahren die "^MH Küstenstädtc Dar - es - Salaam, Bagamoyo, Saadani, Pangani,
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Tanga und Mombassa besucht
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, A haben, und heute wieder dieselben Orte durchwandern, kennen sich nicht mehr aus. Was man früher eine ostafrikanische Küstenstadt nannte, war nichts anders als ein unwirtliches Wirrsal von miserablen, halb zerfallenen Negerhütten, durchzogen von schmalen, gekrümmten, schmutzigen Pfaden. Heute giebt es kaum etwas Lieblicheres, als eine ostafrikanische Küstenstadt! — Ueberall bemerkt der Reisende lange, breite, schnurgerade, mit Schatten- bänmcn bepflanzte Straßen, an die sich die peinlich rein gehaltenen Hänser der schwarzen Bevölkerung anreihen. Die Beamten haben die gemieteten, finstern und unbequemen Steinhäuser der Inder verlassen und wohnen jetzt in großen, prächtigen Gebänden. Die Wohnungen der Bezirksamtmänner von Dar-es- Salacnn, Tanga und besonders von Bagamoyo sind wahre Paläste. — Einige alte Brunnen,
die nur ein spärliches, übelriechendes Wasser lieferten, mußten früher den Wasserbedarf der einheimischen wie der europäischen Bevölkerung decken. Ansteckende Krankheiten und Seuchen waren nur zu oft die Folgen eines solchen Uebelstandes. Große Wasserleitungen und Hunderte von schönen mit vorzüglichen Pumpen versehene Brunnen liefern heute den Einwohnern ein frisches und gesundes Wasser.
Die Fortschritte der Kultur erstrecken sich jedoch nicht nur auf die Knstenstädte, sondern auch auf das Jnnenland.
Da, wo vor drei Jahren noch der Naturforscher, der Offizier oder der Missionar mit dem Buschmesser durch undurchdringliches Dickicht sich einen Weg bahnen mußte, da findet jetzt der Reisende schöne, breite Wege. Allenthalben werden Sümpfe trocken gelegt, Bäche und Flüsse überbrückt. In den weiten, wasserlosen Steppen werden Brunnen gegraben. Der Busch verschwindet, um üppigen Tabak- und Kaffeplantagen Platz zu machen; durch die noch vor kurzem unheimliche Tiefe des Urwaldes ertönt das Schnauben des Dampfrosses, und der Teil Afrikas, der einst als Tod und Verderben bringend verschrieen war, bietet immer heiterere Aussichten.
Ich weiß es, der Missionsfreund verfolgt mit größerem Interesse als jeder andere die Geschichte jenes großartigen Umschwungs; denn für ihn giebt es keine wahre Zivilisation,