IV. Kapitel.
Besteigung des Jerges.
Im Urwalds. — Ueberfall und Lebensrettung. — Elefanten in Sicht, unter dem Kibo und Kimawense. — Rückkehr zur Mission.
Drei kalte Nächte. — Unmittelbar
chon seit einigen Tagen hegte ich den Wunsch, doch auch einmal den Aufstieg zum Berge zu unternehmen, ^^'e Dieser Wunsch war schon in mir H'U^ aufgestiegen an jenem unvergeß- lichm Tage, wo mir das seltene ^) ^iick blühte, von der Matatehöhe ^-^M^ (in Teita) aus die blendende ^s^« Schneehaube des Kibo zum ersten Mal zu sehen. Auch seither, wenn A ich bei Sonnenauf- oder -Niedergang das Naturwunder von der Ebene aus betrachtete, erfaßte mich immer wieder ein geheimes Sehnen, dasselbe aus nächster Nähe zu beschauen. Diesem Drang nicht länger widerstehend, benutzte ich die letzten schönen Tage — wir standen nämlich an der Schwelle der Regenzeit, in der es unmöglich wird, im Urwalde zu verweilen —, um den Berg zu erklettern. Bewaffnet mit Bergstock und Bergschuhen, versehen mit einem kleinen Zelt und begleitet von einigen Trägern, die für vier Tage Lebensmittel trugen, schritt ich hinaus in den schönen Märzmorgen.
Noch dämmerte es unten im Thale. Doch bald rötete sich die Schneekuppel des Kibo unter den Strahlen der aufgehenden Sonne. Rüstig schritt ich den oft steilen Pfad aufwärts durch die Felder der Eingeborenen.
Nach ungefähr zwei Stunden erreichte ich die obere Grenze der Pflanzungen. Hinter mir lag das Flachland von Kilema, ein weiter, üppiger Bananenhain. Vor mir dehnte sich ein Buschstreifen aus und bildete einen natürlichen Uebergang zwischen den Feldern und dem Urwald. Rasch war auch dieser Buschwald durchschritten. Wir standen am Saume des Gürtelwaldes. Mit einem wahren Freuden schauer betrat ich das Innere des dunklen Waldes; denn mit der Bctretung dieses Urwaldes hatte sich ja auch wieder ein Teil meines Jugendtraumes verwirklicht.
Wie oft als Knabe und Jüngling träumte ich von solchen großartigen, außergewöhnlichen, fremdländischen Scenerien, wie ich sie seit einiger Zeit bewundern konnte! Lag ich als Knabe mit der Fischangel am Ufer eines Baches oder Weihers, so sehnte ich mich nach dem fernen, unendlichen Meere. — Kam ich auf einem Spaziergang durch den beim heimatlichen Dorfe gelegenen Buchenwald, so träumte ich von tropischen Urwäldern, in denen unzählige Affen, Büffel und Elefanten ihr Unwesen treiben. — Führte mich der Weg über die weiten, am Rhein gelegenen, nur mit Weidengebüsch durchschnittenen Wiesenflächen, so eilte ich auf den Flügeln der Phantasie hinüber in jene unermeßlichen, sonnenverbrannten, nur von Giraffen und andern Wildheerden durchstreiften Steppen. — Amüsierten sich meine Schulkameraden
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