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Auf dem Missionspfade in Deutsch-Ostafrika : von Sansibar zum Kilimandscharo : Reise-Bericht gewidmet den deutschen Katholiken / von P. Theophil Schneider, C.S.Sp.
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III. Kapitel.

Ion Wnothorst in Mema durch Woschi nach Mariahilf in Aiöoscho.

Besuch bei Häuptling Kitungati. In der Militärstation Moschi. Hauptmann Johannes nnd was er geleistet. In Mariahilf. Besuch beim Häuptling Meli. Festmahl in Moschi, 12 Europäer anwesend. Abreise des Bischofs.

iMohl waren es schöne Tage, die wir auf der Station Windthorst zubrachten, jedoch sie verstrichen Nach den Festtagen, bei Anlaß der Taufe mehrerer erwachsener Katechu- menen, sowie auch bei Gelegen- ^ heit der Firmung von neunzig Christen stattfanden, brachen > wir von Kilema auf, um nach Mariahilf in Kiboscho zu marschieren. Sämtliche Missionsangehörigen und Hunderte von Wadschaggaleuten begleitete uns noch bis zu den Ufern des kleinen, reißenden Gebirgs- bachs Mue. Dieser Bach bildet zugleich die Grenze zwischen den Landschaften Kilema und Kirua. Unmittelbar hinter den Ufern des Baches erhebt sich die steile Bergwand der mehr als 2000 Meter hohen Kiruaberge. Das Fortkommen auf der Flanke des Berges ist sehr mühsam und oft will der Atem stocken. Reicher Schweiß perlt auf der Stirne; doch eine halbe Stunde nach unserm Abmarsch erreichen wir das Plateau der ersten Bergkette.

Vor uns liegt die an Naturschönheiten so reiche Landschaft Kirua. Ueberall entdeckt das Auge großartige Schluchten, tiefe Thal­

mulden, in deren Rinnsale kleine Gebirgs- bäche munter über Fels und Stein hüpfen, üppige Wiesen, schöne, hohe Wälder.

Kaum hat Kitungati, der Häuptling von Kirua, erfahren, daß wir sein Land be­treten haben, so kommt er uns alsbald mit einem Fettschwanzschaf und einem Krug Bier entgegen, um uns zu begrüßen. In einem großen hölzernen Becher schäumt das kräftige Bier, und wir schickten nns eben an, auf das Wohl des Häuptlings zu triuken, als dieser uns plötzlich den Becher entriß uud zuerst einen kräftigen Schluck durch seiuc weite Kehle gleiten ließ. Es herrscht nämlich überall hier zu Laude. wo Giftmischer ja nicht selten sind, die Sitte, daß der Gast­freund zuerst die Getränke kostet, die er seinen Gästen vorstellt. Der Häuptling bat auch den Herrn Bischof, er möge bei ihm eine Schule errichten lassen; gern würde er mit seinen Leuten das Schulhaus bauen. Der Bischof war hoch erfreut über diesen Vor­schlag und versprach Kituugati, möglichst bald eine Schule bei ihm einrichten zu lassen. Drei Wochen nachher war das Schulhaus fertig und seither besuchen mehr als 110 Schüler regelmäßig die Schule.

Wir nahmen dann Abschlied von dem alten Häuptling und seiner Umgebung und weiter ging es über Berg und Thal. Ueberall

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