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Auf dem Missionspfade in Deutsch-Ostafrika : von Sansibar zum Kilimandscharo : Reise-Bericht gewidmet den deutschen Katholiken / von P. Theophil Schneider, C.S.Sp.
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II. Kapitel.

Geschichte der Gründung der Wission Wndthorst.

Bischof de Courmont am Kilimandscharo. der Station.

Le Roy macht Blutsbruderschaft mit Fumba. Heutiger Stand

urch das internationale Ab­kommen zu London am 1. No­vember 1886 wurde, wie bekannt, das ganze Kilimand- scharogebiet*) dem deutschen Inter­essengebiete einverleibt. Zahlreiche Reisende und Forscher begaben sich nach dem Berge und alle beschrieben das Land als ein Eden. Die Deutsch- Ostafrika-Gesellschaft gründete als­bald am Berge zwei Stationen. Die englischen Missionäre der Church Society hatten schon eine Mission gegründet und schickten sich an, weitere Zweig- stationen zu errichten. Die Katholiken Deutsch­lands wollten auch der katholischen Mission einen Platz am Berge sichern. Ihrer Ansicht nach mußte auch die katholische Flagge auf dem größten deutschen Berge wehen.

Der deutsche Afrikaverein brachte auch bald die Mittel zusammen, um eine Station anlegen zu können. Gegen Ende 1890 brach der hochwürdigste Herr Bischof de Courmont, begleitet von den Patres A. Le Roy und Gommenginger, von der Küste auf, um sich

ins Kilimandscharogebiet zu begeben. In Moschi trafen sie Herrn Stationschef Eltz an. Geführt von diesem Herrn von durchaus

s) Kilimandscharo ist die Verdeutschung von Xiliimr-riZAi-o. das in der Negersprache Wasser- g ebirge bedeutet (IMma, ---- Gebirge, n^aro Wasser). Da von dem Gebirge viele Bäche herab in die Thäler kommen, ist diese Erklärung nach Le Roy wohl die richtige.

liebenswürdigem Charakter und reicher Afrika­erfahrung, begaben sich die Ankömmlinge nach dem nördlichen Teil des Berges. In Mad- schame schlugen sie ihr Zelt auf und wollten dort die erste Niederlassung gründen. Die Eingeborenen aber waren gerade mit dem mächtigen Sin na in Krieg verwickelt und standen dem Vorhaben der Missionäre feind­lich gegenüber. Eines Tages wurden diese von einer Schar junger Krieger überfallen, und nur mit Mühe entgingen sie den Lanzen der wüthenden Angreifer. Sie begaben sich darauf zu dem grausamen Despot Sin na von Kiboscho. Der alte Löwe lockte sie in den Vorhof. In einem Nu sahen sich die An­kömmlinge von sechshundert bewaffneten Kriegern umgeben und Sinna glaubte, daß ihm kein Weißer mehr aus der Falle ent­wischen würde. Nur der Kaltblütigkeit und der List des Karawanenführers Daringo ge­lang es, die Gefangenen aus dem Schluude des alten Löwen zu befreien. Traurig kehrten die Missionäre zum Häuptling Mandara nach Moschi zurück. Doch auch hier wollten sie nicht bleiben, existierte doch hier schon eine Ansiedelung der cuglischeu Missionäre. Sie zogen also weiter östlich bis nach Kilema. Der dortige Häuptling Fumba zeigte sich geneigt, gegen eine angemessene Entschädigung eine Strecke Landes abzutreten.

Um mit dem Häuptling in ein noch innigeres Verhältnis zu trcteu, und um sich dessen Schutz auch für die Zukunft zu sichern, unterzog sich ?. Le Roy der damals noch üblichen Zeremonie der Blutsbrüderschaft.

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