der Station anzusehen. Die ganze Station ist prachtvoll angelegt. Der Hauptpunkt und auch der Hauptschmuck der Boma ist das Wohnhaus der Offiziere. Es ist das ein großes zweistöckiges Gebäude, einem stolzen süddeutschen Bauernhause ziemlich ähnlich. Die Idee, ein heimisches Bauernhaus vor mir zu sehen, gestaltete sich noch fester, als ich den ein wenig weiter gelegenen Hühnerhof besuchte. Ich sah da europäische Hühner, Tauben, Enten, Gänse, Truthühner, Kaninchen, fette Schweinchen u. s. w. Die zahlreichen Askari (Soldaten), bei 130 Mann, meist Sudanesen, und die auf der Plattform der Bastionen stehenden Geschütze erinnerten mich jedoch daran, daß ich nicht in einer Farm sondern in einer großen Militärstatior wandelte.
An das Wohnhaus der Offiziere reihen sich die Nebengebäude, das Unteroffiziershaus, die Küche, das Gefängnis. Diese Gebäude, welche mit dem Wohnhaus der Offiziere die eigentliche Boma bilden, sind mit einem Graben und mit Stacheldraht umgeben. Links vor dem Eingangsthor liegt das neue Lazarett) für Schwarze. Dasselbe ist recht praktisch eingerichtet und umfaßt neben den Krankensälen für Weiber und Männer ein Operationslokal und ein Zimmer, das zur Aufbewahrung von chirurgischen Gegenständen dient. Rechts vor dem Thore steht eine große transportable Baracke, welche zur Zeit als Fremdenzimmer dient. Weiter, dicht an der Hauptstraße, liegen die Kasernements der 130 Mann starken Truppe Eine eigentliche Kaserne existiert noch nicht, soll aber nächstens gebaut werden. Einstweilen hat jeder Askari sein eigenes Haus. Dort lebt er mit Frau und Kind und mit seinen Boys (Dienern). Die großen Maisfelder, die jetzt den ganzen Moschihügel bedecken, gehören den Askari zu.
Von der Hauptstraße zweigen sich nach rechts und links andere Straßen ab. Längs dieser Straßen wohnen Leute von fast allen ostafrikanischen Stämmen. Man trifft da Wasuahili, Wanjamwesi, Manjema, Massai u. a. m. Auch Inder und Banjanen, ja
selbst einen Chinesen, habe ich gesehen. Auch drei Griechen haben sich in Moschi angesiedelt und machen als Kaufleute kolossale Geschäfte. Man kann bei ihnen allerlei Waaren einkaufen: Vaumwollstoffe, Decken, Perlen, Eisen- und Messingdraht, Zucker, Kaffee, Bier, Wein, Cognac, Tabak u. s. w. Natürlich sind die Preise enorm hoch. —
Der ganze Häuserkomplex mit der Militärstation als Mittelpunkt liegt auf einem isolierten Hügel und bietet einen überaus wohlgefälligen Anblick dar. —
Nachdem wir uns die Station und Umgebung angesehen hatten, kehrten wir wieder in das Wohnhaus der Offiziere zurück. Gegen halb acht Uhr wurde vom Stationschef ein großartiges Abendessen serviert. Auf der luftigen Veranda verbrachten wir miteinander einen überaus schönen Abend. Herr Hauptmann Johannes ist ein sehr liebenswürdiger Offizier und besitzt eine reiche Afrikaerfahrung. Seit acht Jahren ist er hier am Berge stets bemüht, in diesem wichtigen Teile des Schutzgebiets die Kulturarbeit zu schützen und zu fördern. Er kam in einer recht schwierigen Zeit nach dem Berge. Nach dem unglücklichen Gefecht von Moschi war kein einziger Askari im Kilimandscharogebiet zurückgeblieben Ueberall loderte die Flamme des Aufruhrs. Es gelang jedoch dem jungen Offizier, die aufgegebene Militärstation Marangu wieder zu besetzen. Die Lage war äußerst schwierig. Er hatte zu wenig Truppen, um gegen den stolzen Meli ins Feld zu ziehen. Verlassen konnte er sich nur auf den kleinen Häuptling Mareale Um die deutsche Flagge vor weiterem Unglück zu bewahren, befestigte er die Station und behauptete dieselbe fast ein ganzes Jahr. Die freie Zeit benutzte er, um Erkundigungen über die Stärke und Position des Feindes einzuziehen. Wie nützlich diese stillen Vorarbeiten waren, stellte sich nachher heraus. Am 4. August kamen die letzten Truppen der Schele'schen Expedition an und am 12. konnte man schon auf die feindliche Boma losmarschieren. Lieutenant Ax starb den Heldentod — doch die feindliche Boma fiel
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