Heft 
(2008) Bd. 5. [Wohnen]
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Denkmalpflege in Bremen Heft 5

Rolf Kirsch

Neu unter Schutz gestellte Kulturdenkmale

Ehemaliges Rathaus Hemelingen, Rathausplatz 1

Der rasche Wandel des preußisch-hannover­schen Bauerndorfes Hemelingen in der zwei­ten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem wich­tigen Industrievorort Bremens fand seinen Ausdruck auch im Bau eines neuen Gemeinde­hauses im Jahr 1906. Das repräsentative, städ­tisch anmutende Gebäude symbolisierte den gestiegenen Verwaltungsaufwand und die Pro- fessionalisierung der Ortsverwaltung in He­melingen. Es entstand im Zuge der Neuerung, dass ab 1903 erstmals ein hauptamtlicher Ge­meindevorstand, ab 1922 mit dem Titel eines Bürgermeisters, die Verwaltung des Ortes lei­tete. Zuvor war die gemeindliche Selbstver­waltung Hemelingens noch ausschließlich ehrenamtlich oder nebenamtlich organisiert gewesen.

Den Entwurf zu dem neuen Gemeinde­haus, später auch Rathaus genannt, lieferte der Architekt Hofbaurat Wilhelm Mackensen (1869-1955) aus Hannover. Er schuf ein in sei­ner Grundausrichtung einfaches, aber reprä­sentatives und gut proportioniertes Gebäude. Es war als verputzter zweigeschossiger, trauf­ständiger und aufgesockelter Massivbau mit strenger Fassadensymmetrie, wuchtigem Mit­telrisalit und hohem Krüppelwalmdach kon­zipiert. Ein mittiger Dachreiter und der von wehrhaft wirkenden halbrunden Ecktürm- chen flankierte, von einem stilisierten Schweif­giebel bekrönte Portal-Mittelrisalit betonten die Würde des Bauwerks als Gemeindehaus. Insgesamt klang die Formensprache der soge­nannten Deutschen Renaissance nur noch in stark reduzierter Form an; es entstand kein im strengen Sinne historistischer Bau mehr. Da-

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mit war Mackensens Entwurf auf der Höhe der Zeit. Im Erdgeschoss waren um eine geräu­mige Eingangshalle die Geschäftszimmer der Gemeindeverwaltung, der Sitzungssaal der Ge­meindevertretung und das Büro des Standes­amtes untergebracht, das Obergeschoss beher­bergte ursprünglich die standesgemäß große Wohnung des Gemeindevorstehers. Das Bau­werk wurde am Rande eines großen freien Are­als errichtet, das seit 1902 als Markplatz ange­legt worden war und bis 1935 als Fläche für Jahrmärkte, Feste und Sportveranstaltungen diente.

Schon bald entsprach das neue Gemein­dehaus den gestiegenen Raumansprüchen der Verwaltung nicht mehr. 1926 wurde es an einer Seite unter Beibehaltung der bisherigen Archi­tektursprache beträchtlich verlängert, wodurch es zwar seine Symmetrie verlor, aber weiterhin ein harmonisches Erscheinungsbild bot. Es entstand unter anderem ein großer Sitzungs­saal im Obergeschoss. Mitte der Dreißigerjahre führte erneut gestiegener Platzbedarf zur Auflö­sung der bisherigen Bürgermeister-Dienstwoh­nung, die für eine Erweiterung der Büroflächen genutzt wurde.

1939 erfolgte die Eingemeindung Hemelin­gens nach Bremen; damit endete nach nur 33 Jahren Nutzungsdauer die Funktion des Ge­bäudes als Sitz der selbstständigen Gemeinde­verwaltung Hemelingens. In den Kriegsjahren wurde der Dachreiter beseitigt, um Platz für ei­nen Flak-Stand zu schaffen, er wurde nie wie­der neu errichtet. Einige weitere Beeinträch­tigungen des äußeren Bildes sind inzwischen hinzugekommen, die aber den hauptsächlich heimatgeschichtlich begründeten Denkmal­wert nicht infrage stellen. Seit der Nachkriegs­zeit diente das Rathaus bis in die Gegenwart