Heft 
(2008) Bd. 5. [Wohnen]
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

Denkmalpflege in Bremen Heft 5

Dian Schefold

Wohnen im Denkmal? Denk mal beim Wohnen!

Als ich zum ersten Mal nach Bremen kam, fiel mir auf, wie man aus allen Richtungen immer wieder auf die Domtürme sah und daran erin­nert wurde, dass die Stadt einen Mittelpunkt habe. Als wir dann nach Bremen zogen, war dieses Gefühl für die Zentralität der Stadt be­stimmend für den Wunsch, so und nicht ir­gendwo auf dem flachen Land zu wohnen. Wir fanden erst ein schmuckes kleines Haus im Pe­terswerder, aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Nur dass das Mittelzimmer im

vai

mnW v

Straßenansicht

52

Erdgeschoss niedriger war als das vordere und der Wintergarten, störte - aber der Blick durch ein Loch in der abgehängten Decke förderte gleich etwas Stuck zutage, und damit sah das Zimmer gut aus, als die eingezogene Decke entfernt war. Jedes Frühjahr merkte man, dass die Nachbarn in der Straße ihre Häuser zu ver­schönern suchten, und trotz einiger störender Elemente war das Wohnumfeld hübsch und sympathisch.

Dann entdeckte ich unter den Veröffent­lichungen des Staatsarchivs Bremen Rudolf Schusters Buch über die Bremer Vorstädte im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts (1949) und lernte daraus über die damalige Stadterweite­rung, besonders auch das Wirken Lüder Ru­tenbergs und die Planung der größeren Bre­mer Häuser. Durch Bekannte lernten wir ein solches Haus in der Mathildenstraße kennen, das nie verfälschend umgebaut worden war und das die Eigentümer sachkundig und sorgfältig restauriert hatten - und dank günstigen Um­ständen konnten wir das Haus vor gut fünfzehn Jahren erwerben. Das Grundstück war wohl eines der ehemaligen Gewerbegrundstücke am damaligen Bach des Dobben gewesen und des­halb größer als die meisten Wohnhausgrund­stücke der Bremer Häuser, aber es war immer noch kleiner als ein Grundstück, das für den Bau eines freistehenden Hauses nötig wäre, und das Haus enthält eine Wohnfläche, die annähernd der Quadratmeterzahl des Grund­stücks entspricht.

Das war und ist wirklich ein herrliches Wohngefühl: Hohe, schön stuckierte, weitläu­fige Räume, mit großer Tiefe und daher langen Seitenwänden, an denen Schränke, Bücherre­gale, Bilder viel Platz finden; dank großen Fens­tern und einem großzügigen Wohnzimmer-