Heft 
(2008) Bd. 5. [Wohnen]
Seite
42
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Denkmalpflege in Bremen Heft 5

Axel Vos

Das »Bremer Haus« - Typologie, Geschichte und Gegenwart

Was ist eigentlich das »Bremer Haus«? Wann ist es entstanden? Warum, für wen und unter wel­chen Bedingungen wurde es gebaut? Wird es auch heute noch gebaut? Diesen und weiteren Fragen möchte ich im Folgenden nachgehen.

Im Allgemeinen versteht man unter dem ste­henden Begriff »Bremer Haus« ein traufständi­ges Reihenhaus, welches ab etwa 1840 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges massenhaft in den Bremer Vorstädten gebaut wurde. Seine signifi­kanten Merkmale sind:

- Zur Straße erscheint das Haus zweigeschos­sig, seltener dreigeschossig.

- Das Erdgeschoss oder genauer Hochpar­terre ist von der Straße über einige Stufen zu erreichen.

- Darunter befindet sich als Souterrain ein etwa zur Hälfte sichtbares Sockelgeschoss.

- Das Souterrain ist immer durch eine schmale Treppe von der Straße aus zugänglich.

- Uberwiegend ist die Fassade dreiachsig aufgeteilt, d.h. drei Fenster breit. Dabei ist die Haustür meist links oder rechts neben zwei Fenstern angeordnet, darüber im er­sten Obergeschoss drei Fenster.

- Hinter der Haustür und dem anschließen­den Windfang ist parallel zur Brandmauer die Treppe angeordnet.

- Das vordere Zimmer im Hochparterre war der (Empfangs-) Salon oder die »gute Stube«. Heute ist es normalerweise das Wohnzimmer.

- Hinter dem Salon war häufig das Esszim­mer, beide Räume waren meist verbunden durch eine zweiflügelige Schiebetür.

- Hinter dem Treppenhaus ergibt sich das sogenannte »Treppenzimmer« (heute oft als Küche genutzt).

- Der gleiche Grundriss wiederholt sich im ersten Obergeschoss. Hier befindet sich zusätzlich noch ein kleines Zimmer über dem Windfang (heute häufig als Bad mit WC eingerichtet).

- Die Räume des Obergeschosses waren ur­sprünglich als Schlaf- und Kinderzimmer gedacht.

- Das Dach ist meistens zur Straße durch einen Kniestock angehoben und zur Rück­seite voll ausgebaut, sodass sich hier weitere Zimmer ergeben.

- Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ka­men noch die gläsernen Anbauten, die ge­schlossenen Wintergärten oder die halb­offenen Veranden, hinzu. Sie sind sowohl an der Straßen- als auch an der Rückseite zu finden.

- Ein weiteres typisches Merkmal betrifft den Höhenschnitt:

Wegen des hohen Grundwasserstandes sah man sich genötigt, die Häuser ohne eigentli­chen Keller flach zu gründen. Den geringfü­gigen Aushub verwendete man zur Aufhö- hung der Straße. Zur Straße ergab sich somit ein Halbkeller, das sogenannte »Souterrain«. Hier war meistens die Küche angeordnet. Auf der Rückseite, also ebenerdig zum Garten oder zum Hof gelegen, konnten die Räume vollwertig genutzt werden. Hier lagen das »Gartenzimmer« und daneben die Wasch­küche, in der anfangs auch gebadet wurde. Draußen im Hof hinter der Waschküche be­fand sich vor dem Bau der Kanalisation das Eimerklosett in einem kleinen Verschlag.

- Die Fassaden zur Straße wurden in der Regel aufwendig gestaltet. In den ersten Jahrzehn­ten geschah dies im Stil des Klassizismus mit applizierten Stuckteilen aus Zementguss