Denkmalpflege in Bremen Heft 5
Georg Skalecki
Baukultur und Denkmalpflege -
Ein Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit
»Bauen wird heute vielfach als Eingriff verstanden, mit dem mehr an Werten beseitigt als neu hinzugewonnen wird.« Mit diesen Worten beginnt kein geringerer als Karl Ganser (Professor, Stadtplaner und ehemals Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung Emscher Park) seine Analyse über das bestehende Unbehagen gegenüber neuer Architektur in dem Bericht zur Gründung einer »Bundesstiftung Baukultur«, den er im Auftrag des Bundesministers für Verkehr, Bauwesen und Wohnungswesen erstellt hat. Ganser erkennt, was viele nicht wahrhaben wollen, dass innerhalb einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit ein großes Misstrauen gegen das aktuelle Bauschaffen besteht. Er stellt weiter fest, dass dies nicht immer so war, sondern erst in den 1970er-Jahren das Unbehagen die Überhand gewann, weil »... wieder einmal ein Kulturdenkmal weichen muss, eine Landschaft verbaut wird, eine Straße zerschneidet und verlärmt, kurz: Kulturlandschaft verschwindet, ohne dass neue sinnfällig entsteht.«
Auch wenn tatsächlich neue qualitätvolle Baukultur entstünde, darf dies natürlich nicht zulasten von wertvoller historischer Bauleistung gehen, so die denkmalpflegerische Position hierzu. Schon jetzt erahnt man, dass das Verhältnis zwischen aktuellem Architekturschaffen und der Denkmalpflege nicht immer einfach und ungetrübt ist. Natürlich ist die Denkmalpflege ein wesentlicher Teil von Baukulturpflege und sollte die angestoßene Diskussion und die »Initiative für Architektur und Baukultur« begrüßen. Aber ganz unkritisch darf die Entwicklung doch nicht gesehen werden, und sie muss begleitet werden. Wie nun steht es um das Verhältnis zwischen Denkmalpflege und Baukulturdebatte?
Der Vordenker Karl Ganser hat in seinem Papier zur Gründung einer »Bundesstiftung Baukultur« Aussagen zum Verhältnis von Architektur und Denkmalschutz gemacht. Er hat als jemand, der über reichlich Erfahrung bei der Einschätzung historischer Situationen verfügt, einige lange bestehende Grundsätze der Denkmalpflege aufgegriffen und sich zunutze gemacht. Mit Respekt hat der Verfasser persönlich immer Gansers Plädoyer zur Kenntnis genommen, niemals vorschnell zu handeln, sondern immer vor dem »Abriss auf Vorrat« zu warnen. Ganser war zumindest immer jemand, der sich die Mühe machte, über die Verwertung und die Möglichkeiten von Umnutzungen historischer Bauten nachzudenken, anstatt alle Bauten, die im Moment gerade nicht mehr benötigt wurden, sofort abzureißen beziehungsweise »wegzuwerfen«, ohne auch nur eine vage Ahnung davon zu haben, was man stattdessen mit dem gewonnenen Platz machen kann. Denn der Denkmalpfleger weiß, dass zündende und tragfähige Ideen zur Neunutzung bestehender historischer Situationen und Bauten manchmal etwas Zeit brauchen.
In diesem Sinne handelte Karl Ganser stets, als er während seiner Tätigkeit bei der Internationalen Bauausstellung (IBA Emscher Park) altindustrielle Bauten, auch wenn kurzfristig keine Nutzung möglich schien, immer vor ihrer Beseitigung bewahrte. Im Zuge der IBA sind immerhin einige historische Industriebauten vor totalem Untergang gerettet worden, wenn auch oft genug leider nur als Staffage.
Wenn Ganser also in seinem Gründungspapier der »Initiative für Architektur und Baukultur« denkmalpflegerische Grundsätze reflektiert und teilweise zitiert, ist das aus denkmalpflege- rischer Sicht zunächst zu begrüßen. Denn die