Heft 
(2008) Bd. 5. [Wohnen]
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Denkmalpflege in Bremen Heft 5

Georg Skalecki

Baukultur und Denkmalpflege -

Ein Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit

»Bauen wird heute vielfach als Eingriff verstan­den, mit dem mehr an Werten beseitigt als neu hinzugewonnen wird.« Mit diesen Worten be­ginnt kein geringerer als Karl Ganser (Profes­sor, Stadtplaner und ehemals Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung Emscher Park) seine Analyse über das bestehende Un­behagen gegenüber neuer Architektur in dem Bericht zur Gründung einer »Bundesstiftung Baukultur«, den er im Auftrag des Bundesmi­nisters für Verkehr, Bauwesen und Wohnungs­wesen erstellt hat. Ganser erkennt, was viele nicht wahrhaben wollen, dass innerhalb einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit ein großes Misstrauen gegen das aktuelle Bauschaffen be­steht. Er stellt weiter fest, dass dies nicht im­mer so war, sondern erst in den 1970er-Jahren das Unbehagen die Überhand gewann, weil »... wieder einmal ein Kulturdenkmal weichen muss, eine Landschaft verbaut wird, eine Stra­ße zerschneidet und verlärmt, kurz: Kultur­landschaft verschwindet, ohne dass neue sinn­fällig entsteht.«

Auch wenn tatsächlich neue qualitätvolle Baukultur entstünde, darf dies natürlich nicht zulasten von wertvoller historischer Bauleis­tung gehen, so die denkmalpflegerische Positi­on hierzu. Schon jetzt erahnt man, dass das Ver­hältnis zwischen aktuellem Architekturschaffen und der Denkmalpflege nicht immer einfach und ungetrübt ist. Natürlich ist die Denkmal­pflege ein wesentlicher Teil von Baukulturpfle­ge und sollte die angestoßene Diskussion und die »Initiative für Architektur und Baukultur« begrüßen. Aber ganz unkritisch darf die Ent­wicklung doch nicht gesehen werden, und sie muss begleitet werden. Wie nun steht es um das Verhältnis zwischen Denkmalpflege und Bau­kulturdebatte?

Der Vordenker Karl Ganser hat in seinem Papier zur Gründung einer »Bundesstiftung Baukultur« Aussagen zum Verhältnis von Ar­chitektur und Denkmalschutz gemacht. Er hat als jemand, der über reichlich Erfahrung bei der Einschätzung historischer Situationen ver­fügt, einige lange bestehende Grundsätze der Denkmalpflege aufgegriffen und sich zunutze gemacht. Mit Respekt hat der Verfasser persön­lich immer Gansers Plädoyer zur Kenntnis ge­nommen, niemals vorschnell zu handeln, son­dern immer vor dem »Abriss auf Vorrat« zu warnen. Ganser war zumindest immer jemand, der sich die Mühe machte, über die Verwertung und die Möglichkeiten von Umnutzungen historischer Bauten nachzudenken, anstatt alle Bauten, die im Moment gerade nicht mehr be­nötigt wurden, sofort abzureißen beziehungs­weise »wegzuwerfen«, ohne auch nur eine vage Ahnung davon zu haben, was man stattdes­sen mit dem gewonnenen Platz machen kann. Denn der Denkmalpfleger weiß, dass zündende und tragfähige Ideen zur Neunutzung beste­hender historischer Situationen und Bauten manchmal etwas Zeit brauchen.

In diesem Sinne handelte Karl Ganser stets, als er während seiner Tätigkeit bei der Internati­onalen Bauausstellung (IBA Emscher Park) alt­industrielle Bauten, auch wenn kurzfristig kei­ne Nutzung möglich schien, immer vor ihrer Beseitigung bewahrte. Im Zuge der IBA sind immerhin einige historische Industriebauten vor totalem Untergang gerettet worden, wenn auch oft genug leider nur als Staffage.

Wenn Ganser also in seinem Gründungspa­pier der »Initiative für Architektur und Baukul­tur« denkmalpflegerische Grundsätze reflektiert und teilweise zitiert, ist das aus denkmalpflege- rischer Sicht zunächst zu begrüßen. Denn die