Periodikum 
Denkschrift betreffend die Entwicklung des Kiautschou-Gebiets : in der Zeit vom
Entstehung
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

69

Anhang.

Bericht über die Eröffnung der Deutsch-EHLnesischen

Hochschule.

Die Feier aus Anlaß der Eröffnung der Deutsch-Chinesischen Hochschule und gleichzeitig der Grundsteinlegung des künftigen Hochschulgebäudes, die am 25. Oktober stattgefunden hat, verdient ihres bedeutsamen Charakters wegen eine ausführlichere Beschreibung.

Bereits am frühen Morgen versammelten sich die deutschen und chinesischen Lehrer mit den Schülern in der Aula zu einer internen Vorfeier. Hierbei richtete der chine­sische Studieninspektor an die Schüler Worte eindringlicher Mahnungen. Er erinnerte sie, von der konfuzianischen Ethik ausgehend, an ihre sittlichen Pflichten gegen die menschliche Gesellschaft, deren Erfassung und Vertiefung ihr Studium in erster Linie zu dienen habe. Die altüberlieferte Weisheit ihrer Vorfahren müsse die Grundlage dieses Studiums bleiben, dann würden sie durch die Pflege der Tugend fortschreiten zu einem edlen Menschentum. Zugleich damit aber sollten sie ihren Geist bereichern durch Aufnahme des Wissens und der Wissenschaften. »Für die zahlreichen, tief durch­dachten neuen Gebiete der Natur- und Geisteswissenschaften, wie für die fein- und tief­sinnige» Errungenschaften abendländischen Forschens seien deutsche Lehrer da, die sie in die feinsten Verzweigungen der einzelnen Fächer einweihen würden..- Gegen Mittag begann die eigentliche Feier der Eröffnung. Der stellvertretende Gouverneur übergab in Gegenwart einer zahlreichen Versammlung, bei der auch der Gouverneur von Schantung und das Unterrichtsministerium in Peking durch besondere Beamte vertreten waren, mit einer Ansprache die Anstaltsräume dem deutschen Direktor und damit ihrem gegenwärtigen Zwecke. Die eigentliche, auch chinesisch übersetzte Festrede hielt danach der Direktor. Er legte kurz die Entstehungsgeschichte der Anstalt dar und verbreitete sich ausführlicher über die geplanten Arbeiten und ihre Ziele. »Die Durchdringung der chinesischeil Jugend mit einer guten, den Forderungen einer neuen Zeit entsprechenden Schulbildung, insbesondere der Versuch, national-chinesische Bildung mit einer abendländisch-modernen Erziehung organisch zu verbinden«, sei bestimmend für diese Arbeiten und Ziele. Nach dem Direktor sprachen noch die Vertreter des Gouverneurs von Schantung und des Unterrichtsministeriums in Peking. Der erstere schloß seine Rede: »Schantung ist die Heimat des Konfuzius. Eingedenk dessen sollt Ihr Schüler Tugend und Wissenschaft in gleicher Weise Pflegen, das. Alte üben und das Neue lernen, theoretisches Wissen sammeln und es in der Praxis verwenden, dann werdet Ihr schon in wenigen Jahren Erfolge erzielen. So werdet Ihr nicht nur unserem Vaterlande Ehre machen, Ihr werdet auch zur Stärkung und Dauer der freundschaftlichen Beziehungen Chinas und Deutsch-

18