Periodikum 
Denkschrift betreffend die Entwicklung des Kiautschou-Gebiets : in der Zeit vom
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

Handelsentwicklung in Ostasien,

Knrsvcrhältniffe.

Rückwirkung auf Tsingtau.

Kapitel 2.

Handel und Gewerbe. Verkehrswesen.

Wie schon in der Einleitung dargelegt, kann die außerordentliche Depression, unter der mit dem gesamten Welthandel seit Beendigung des Russisch-Japanischen Krieges besonders der ostasiatische^ Markt zu leiden hatte, nunmehr in der Hauptsache als überwunden angesehen werden.

Zwar ist der Silberstand immer noch niedrig j doch sind die Verhältnisse beständiger geworden, und ein weiterer, größerer Silbersturz, wie er gegen Ende des Kalenderjahres 1907 Plötzlich eintrat, steht kaum zu befürchten. Auch die Entwertung des Kupfergeldes, die neben dem Sinken des Silberpreises wesentlich zur Verschlechterung der Geschäftslage in China beigetragen hat^), ist zu einem gewissen Stillstand ge« langt, nachdem die chinesische Zentralregierung die fernere Ausprägung von kupfernen Zehnkäschstücken in den Provinzialmünzen untersagt hat.

Während im Vorjahre der allgemeine geschäftliche Tiefstand nicht ohne schädigende Rückwirkung auch auf das deutsche Schutzgebiet geblieben war und besonders in den Handelsziffern deutlichen Ausdruck gefunden hatte, ist für den verflossenen Berichtszeit­raum wieder eine erfreuliche Steigerung des Gesamthandels von Tsingtau festzustellen.

Die Einfuhr von Waren nichtchinesischen Ursprungs ist aus 25 403 680 I <21449 510 O)b), die Einfuhr chinesischer Waren auf 13 106 771 K <9 838 927 K) angewachsen. Eine außerordentliche Zunahme hat die Ausfuhr erfahren j sie stellt sich für 1908/09 auf 26 449 426 H gegenüber 18 416 548 K für 1907/08. Hieran sind in erster Linie wieder Strohborten mit 10 089 824 A statt 6 644 100 K im Vorjahr und Erdnußöl mit 3 065 211 H. statt 2 370 296 H beteiligt. Zunehmende Bedeutung gewinnt ferner die Ausfuhr in Erdnüssen. Sie hat im Berichtsjahr eine außerordentliche Steigerung erfahren, die in erster Linie durch eine schlechte Olivenernte in Südfrankreich und Italien hervorgerufen wurde. Die Nachfrage war zeitweise so lebhaft, daß viele Aufträge wegen Mangel an Ware nicht einmal voll­ständig ausgeführt werden konnten. Nach den guten Erfahrungen, welche die Händler mit dem Artikel gemacht haben, kann nach kaufmännischer Ansicht angenommen werden, daß er ständig an den Markt kommen wird. Es steht zu hoffen, daß sich das Öl der Schantung-Erdnüffe so gut eingeführt hat, daß es seine neuen Absatzgebiete wenigstens teilweise auch gegenüber besseren Olivenernten behaupten wird.

Auch die Ausfuhr in Rohseide und Pongees, in Häuten, Borsten und in Bohnenöl hat sich befriedigend weiterentwickelt.

-) Vgl. Denkschrift 1906/07, S. 25 sowie 1907/08, S. 8 f. und 18. ') Vgl. Denkschrift 1907/08, S. 8 und 18.

') Die eingeklammerten Zahlen sind die des Vorjahres.