Plehn: Beiträge zur Völkerkunde des Togo-Gebietes.
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Von den Sprachen aus anderen Colonien, die von einzelnen weit gereisten Negern verstanden werden, wie Dualla und Kiswaheli, sehe ich hier ah. Trotzdem komme ich auf 47 Sjirachen, in Anbetracht der Kleinheit des Bezirkes eine recht stattliche Zahl.
Was die Sprachenkunde der Bevölkerung anbetrifft, so findet man unter den intelligenteren Eingeborenen recht häufig Polyglotten, die eine ganz erhebliche Zahl Sprachen sprechen. Ich kenne Leute, die acht bis zehn Sprachen beherrschen und stets praesent haben.
Freilich sind ja die hiesigen Sprachen fast alle verwandt. Ausserdem darf man sich durch die scheinbare Leichtigkeit, mit der viele der Eingeborenen fremde Idiome so weit lernen, dass sie sich in denselben verständigen können, nicht täuschen lassen. Die Leute bedienen sich Avährend des Sprechens einer so drastischen Gebärdensprache, dass es oft fast scheint, als unterhielten sich zwei Taubstumme. Mit Hülfe dieser Gebärdensprache, und einiger weniger Worte des fremden Idioms kann sich der Schwarze mit Leuten des betreffenden Stammes vollständig verständigen. Ihre Unterhaltung dreht sich in solchen Fällen ja auch nur um die all ereinfachsten cöncreten Dinge.
Von Interesse dürfte es ferner sein, dass ich festzustellen vermochte, dass die Haussa-Sprache von den nördlichen Stammen, wie Dagomba, Grussi, Moshi u. A., als Verkehrs- und Handelssprache oft in ähnlicher Weise vereinfacht und verballhornt wird, wie es mit dem zum sogenannten Nigger - Englisch degradirten Englisch geschehen ist. Das reine, fein ausgebildete Haussa, wie Schön es darstellt, findet man nur bei wenigen Leuten dieser Stämme.
Als Curiosum sei noch erwähnt, dass von manchen Eingeborenen zur geheimen Verständigung eine Art Gaunerjargon durch Verdrehen und Umstellen der Worte gebildet und angewandt wird.
Auch eine Unterhaltung lediglich in Sprichworten und Symbolen, die für Uneingeweihte nicht verständlich ist, ist üblich.
Lieder und Gesänge.
Der ausserordentliche Einfluss, den die Tshi- und Evhe-»Sprache haben, zeigt sich auch in dem Umstand, dass alle die oben erwähnten kleinen Stämme Lieder in einer der beiden Sprachen oder in beiden haben, mehrere von ihnen haben Lieder in ihrem Stammesidiom überhaupt nicht. Selbst Stämme, in denen nur einige wenige Leute Tshi oder Evhe verstehen, singen Lieder in diesen Sprachen.
Speciell stammen alle Kriegslieder von den Ashanti und Dahomeh. Der Dahomeh - Dialekt wird dabei häufig als Liedersprache beibehalten, doch werden die Lieder auch bisweilen in die anderen Evhe-Dialekte übersetzt.
Was die einzelnen Stämme anbetrifft, so haben:
Logba, Tafi, Likpe, A%olo, Boviri keine Lieder in ihrer eigenen Sprache, sondern nur in Evhe und Tshi;