W
VI.
Neben Nio Grande do Sul und Santa Catharina pflegt man auch den dritten südbrasilianischen Staat Parana als deutsches Siedlungsgebiet zu bezeichnen. Deutsche Siedler waren von Donna Francisca und Blumenau nach dem Hochlande wandernd nicht nur bis Nio Negro, sondern weiter auch nach dem Norden vorgedrungen.' Um das Zahr 1855 kam eine Anzahl Deutsche nach Curitiba, der Hauptstadt des damaligen noch sehr schwach bevölkerten Parana. Sie erhielten in der Umgegend der Stadt Ländereien zugewiesen und ihre Anzahl mehrte sich schnell. Sobald sie aber im Landbau einige Mittel erworben hatten, zogen sie zum großen Teil in die aufblühende Stadt, um sich dort dem Handel und Gewerbe zu widmen. Das Deutschtum erreichte in Curitiba im Laufe der Zeit eine solche Stärke, daß es auf das gesamte Gepräge der Stadt einen überall in Erscheinung tretenden Einfluß gewonnen hat. Auch in den anderen Städten Paranas machten sich Deutsche als Handel- und Gewerbetreibende ansässig. Daneben bildeten sich aber auch neue ländliche Gemeinwesen, welche sich kräftig entwickelten: Villa Nova und Imbuja mit 600 Deutschen, Passo Tres mit 200, Porto da Uniao am Nio Iguassu mit 1000, Papageios Novos mit 600, Lapa mit 400 Deutschen. Sie liegen zerstreut über das ganze Gebiet und verschwinden in ihrer Kleinheit neben der umfangreichen und geschlossenen Besiedelung des Staates mit vielen Zehntausenden Italienern, Polen und Russen, die sich in den letzten Zahr- zehnten vollzogen hat. Muß auch die hervorragende Stellung der Deutschen im Handel und Gewerbe anerkannt werden und verdienen auch die einzelnen ländlichen deutschen Niederlassungen Beachtung, so kommt doch der Staat Parana als Gebiet einer geschlossenen deutschen Besiedelung nicht in Betracht.