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Deutschlands koloniale Not ; Im Auftr. d. Kolonial-wirtschaftl. Komitees / verf. von [Oskar] Karstedt
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Schlukbekrachlungen.

er Krieg hat viel von dem, was wir früher als gegeben hinnahmen, einer neuen und schärferen Kritik hinsichtlich seines Weshalb? unterworfen. Auch die Kolonialfrage ist in das Schlaglicht neuer Beleuchtung geraten. Wieder müssen wir uns, wie in der Bis- marckschen Zeit, Rechnung darüber ablegen: Sollen und können wir Kolonialpolitik treiben? Ist es mit den Ansprüchen, die andere politische Fragen an uns stellen werden, vereinbar, wenn wir wieder nach Afrika und in die Südsee als Kolonialvolk hinausgehen?

Bismarck, der als Kind seiner Zeit sich wesentlich als Preuße Deutscher fühlte, hat nur zögernd und schrittweise den verantwortungs­vollen Schritt in die Welt getan, gezwungen in der Hauptsache durch die dauernden englischen Quertreibereien gegen unsere Kaufleute in Über­see, auf den Fiji-Jnseln, in Westafrika usw. Seitdem sind dreißig Jahre dahingerollt, Jahre, deren jedes Deutschland einen weiteren Schritt auf dem Weg zum Industrie- und Handelsstaat tun sah. In demselben Maße, wie aus dem deutschen Agrarstaat ein Industrieland wurde, sind unsere Beziehungen handelspolitischer Natur zum Auslande lebhaftere geworden, und an die Stelle der die Hunderttausende erreichenden Jahresauswanderungen ist der Zwang getreten, Menschen zur Aufrecht­erhaltung der Wirtschaft einzuführen.

Was sich in anderen Ländern mit industriellem Übergewicht, wie in England zeigte, entwickelte sich auch in Deutschland: Die Kräfte reichten nicht mehr aus, die für die Ernährung erforderlichen Erzeugnisse selbst herzustellen. Getreide, Fette usw. mußten in ständig wachsendem Maße eingeführt werden. Aus dem früheren Getreideausfuhrland Deutsch­land war der zweitgrößte Bezieher der Welt an Brotgetreide geworden, trotzdem nirgends die Intensität des Ackerbaues so zugenommen hatte wie in eben diesem Lande. Hatte 1881 der Ernteertrag an Weizen, auf den Hektar berechnet, 12,7 Doppelzentner betragen, so war er 1913 auf 23,6 gestiegen: für Roggen stellten sich die Zahlen wie 10,9 zu 19,1, für Hafer wie 12,1 zu 21,9 usw. Ständig wurde trotzdem der Fehl­betrag zwischen Verbrauch und Vorhandenem größer und mußte durch die Einfuhr vom Ausland ausgeglichen werden. Und Ähnliches galt für die Viehhaltung. Dr. Schulte im Hofe berechnet den Fehlbetrag an Vieh zur Lieferung von Milch, Rahm und Butter auf 837 000 Kühe,