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Deutschlands koloniale Not ; Im Auftr. d. Kolonial-wirtschaftl. Komitees / verf. von [Oskar] Karstedt
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Die Leistungen unserer bisherigen Kolonien und die koloniale Eignung der Deutschen.

gehörte bekanntlich bis vor wenigen Jahren zum Axiom mancher Volksschichten, daß der Deutsche zur Kolonisation eigener Länder unfähig sei. Immer und immer wieder wurde uns vorgehalten, daß der Deutsche zwar ein glänzendes Menschen­material für die Erschließung von Neuland darstelle, daß es dem deutschen Vermögen aber abgehe, selbsttätig Kolonien zu beackern. Nicht zuletzt ist gerade von englischer Seite so häufig betont worden, daß die Deutschen in ihren Kolonien zwar in Kleinarbeit manches Gute und Er­freuliche geleistet hätten, daß ihnen aber jedes Verständnis dafür fehle, die reichen, in den Kolonien liegenden Möglichkeiten im Großen zu er­schließen. Die Tatsachen hätten schon dem, der hören wollte, längst vor dem Krieg beweisen können, daß diese Annahme eine vollkommen irrige war. Aber wie es gerade bei uns in Deutschland so häufig geht: zu­gunsten von politischen Schlagworten verschloß man die Augen vor den Tatsachen.

Die glänzende Verteidigung unserer Schutzgebiete durch eine Hand voll Leute gegen eine Übermacht von Feinden, die von der Geschichte einmal umso höher bewertet werden wird, als die Kolonien von Kriegs­ausbruch an von jeder Zufuhr abgeschnitten waren und sie mit dem auskommen mußten, was sie im Augenblick des Kriegsbeginns besaßen, während der Gegner mit allen Mitteln moderner Kriegsführung aus­gestattet war, hat glücklicherweise auch in Deutschland viele von den Stimmen zur Ruhe gebracht, die früher ohne Überlegung die Behauptung von der kolonialen Unfähigkeit der Deutschen nachbeteten. Der Umstand, daß eins der schwierigsten Probleme, die die Kolonialpolitit kennt, nämlich die Behandlung der Eingeborenen, von den Deutschen trotz der wenigen Jahre ihrer praktischen Erfahrung in den Kolonien so glänzend gelöst worden ist, daß mit verschwindend geringen Ausnahmen allent­halben die Eingeborenen bis zum letzten treu zu ihrem Herrn gestanden haben, sollte allein schon ausreichen, um die oben geschilderte Auffassung zu erledigen. In diesem Zusammenhang verlohnt es sich aber, noch einmal kurz darauf einzugehen, was seit 1884, also seit dem Jahr, in dem Deutschland die ersten Kolonien erwarb, in unseren Schutzgebieten