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Deutschlands koloniale Not ; Im Auftr. d. Kolonial-wirtschaftl. Komitees / verf. von [Oskar] Karstedt
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Arie-enswirkschasl und Rohstoffversorgung. Mitteleuropa und Kolonialpolikik.

ir haben mit der Tatsache zu rechnen, daß nach dem Kriege unsere Rohstofflager geleert sind. Was bei Kriegsbeginn vor­handen war, hat die durch den Krieg hervorgerufene Industrie neben der normalen Inanspruchnahme zum größten Teil verbrauchen müssen, und wir wissen, wie es häufig nur durch die einschneidendsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen möglich war, überhaupt mit ihnen hauszuhalten. Die Beschlagnahme des Kupfers, der durch Bezugscheine geregelte Verbrauch von Textilstoffen usw.: Alle diese durch den Krieg erzwungenen Maßnahmen haben uns auf das deutlichste gelehrt, in welchem Maße wir von der Zufuhr vom Ausland abhängig waren. Gewiß ist die Knappheit im wesentlichen der Tatsache zuzuschreiben, daß der Krieg länger andauert, als früher gemeinhin für möglich gehalten wurde. Die großen Lager, die bei Kriegsausbruch an den verschiedenen Rohstoffen vorhanden waren, haben zunächst wohl keinen Zweifel dar­über entstehen lassen, daß unsere Wirtschaft auf lange hinaus mit dem Vorhandenen auskommen würde. Mag der Krieg nun aber zu Ende gehen, wann er will: Wenn unsere Wirtschaft sich wieder auf den Frieden einstellen muß, dann steht sie vor der Tatsache, daß sie gezwungen ist, riesige Kapitalien an fremde und damit zum großen Teil wohl an die Staaten zu zahlen, die uns bisher feindlich gegenüberstanden. Auf den vorstehenden Seiten ist ausgeführt, in welchem Maße nament­lich England sein Monopol auf einen großen Teil der für unsere In­dustrie wertvollsten Rohstoffe ausüben konnte. In dem Augenblick, wo Deutschland also gezwungen ist, für den eigenen Bedarf sowohl wie für die Ausfuhr seine Fabriken wieder in Friedensbetrieb lausen zu lassen, würde die Notwendigkeit zum Kauf ganz gewaltiger Mengen von Rohmaterialien entstehen. Und bei der Leerung nicht nur unserer Rohstofflager sondern auch unserer Lager an Fertigfabrikaten würde es nicht mit einem vermehrten Ankauf etwa in den ersten Friedens­monaten sein Bewenden haben, sondern auf Jahre hinaus müßten die gewaltigen Zahlungen geleistet werden, um halbwegs wieder unsere gesamte Volkswirtschaft auf einen Stand zu bringen, der annähernd dem vor dem Krieg innegehabten entspricht. Gewiß ist die Möglichkeit