Sie Entwicklung der deutschen Rohstoffverarbeitung und ihre Abhängigkeit vom Ausland.
UTDie gewaltige Wirtschaftsentwicklung, die die ganze Welt seit etwa 1870 durchgemacht hat, machte sich in Deutschland erst Verhältnis- mäßig spät geltend. Noch zu Beginn der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war Deutschland im wesentlichen ein Agrnr land, von dessen Bevölkerung damals noch jährlich annähernd fünf vom Tausend zur Auswanderung gezwungen waren. Gerade die Tatsache, daß jährlich Hunderttausende seiner Bürger dem Deutschen Reich verloren gingen, war ja eine der Haupttriebkräfte, die Leute wie Karl Peters, Jühlke usw. veranlaßten, für Deutschland Kolonien zu erstreben, in die es seinen Menschenüberschuß abschieben konnte. Erst mit den achtziger Jahren setzte die lebhaftere Industrialisierung unserer gesamten Wirtschaft ein, die im Laufe weniger Jahrzehnte dazu führte, daß Deutschland einer der ersten Industriestaaten der Welt wurde. Waren noch 1882 bei einer Gesamtbevölkerung von 45,2 Millionen 19,2 gleich 42,5 A in der Landwirtschaft beschäftigt, während auf Industrie und Handel 45,5 A entfielen, so hatte sich das Verhältnis 1907 bei einer Gesamtbevölkerung von 61,7 Millionen in der Weise verschoben, daß auf die Landwirtschaft nur noch 28,7 auf Industrie uud Handel aber 56,4 entfielen. Hatten 1871 nur 1 969 000 Menschen in Städten über 100 000 Einwohnern und 12 800 000 in Orten zwischen 2000 und 100 000 Einwohnern gelebt, so beherbergten die Großstädte, die wesentlichen Zentren der Industrie, im Jahre 1910 13 800 000 Seelen, während die Mittelorte 25 148 000 zählten. Und wenn 1885 die Gesamteinfuhr an Rohstoffen für Jndustriezwecke einschließlich der Halbfabrikate nur einen Wert von 1,20 Milliarden darstellte, so hatte sich dieser Betrag bis 1913 auf das Fünffache, nämlich auf 6,24 Milliarden vermehrt. Umgekehrt betrug der Wert der 1885 ausgeführten Fabrikate nur 1,8 Milliarden, während er 1913 auf 6,4 Milliarden gestiegen war. Der Rohstoffbezug bzw. die Ausfuhr von Fertigwaren war somit eine der stärksten Triebkräfte der gesamten deutschen Volkswirtschaft geworden. Hand in Hand und fördernd neben dieser Bewegung ging die Neigung zur Bildung von Großbetrieben. Während 1882 die inittleren Industriebetriebe, die 51 bis 100 Personen beschäftigten, insgesamt nur