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Der deutsche Gedanke in der Welt / Paul Rohrbach
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ZWEITES KAPITEL

HEMMUNGEN VON INNEN HER

Für die Völker wie für die einzelnen Menschen gilt gleich­mäßig die Erfahrung, daß der nutzbare Wert der ihnen zu Gebote stehenden Kräfte nicht gleich ist dem summierten Effekt der einzelnen Fähigkeiten, sondern bloß gleich dem Überschuß der positiven über die negativen Größen. Wie Napoleon I. seine Beurteilung der Menschen in das Wort zusammenfaßte: um den Wert eines Mannes festzustellen, müsse man erst seine Eitelkeit von seiner Begabung subtrahieren, und nur mit dem, was übrig bleibt, dürfe gerechnet werden, so steht es auch mit den Nationen. Das geschichtliche Schicksal, das sie erleben und die teils von dorther bedingte, teils an sich vorhandene Psychologie ihres Charakters bilden Kräfte und Gegenkräfte in ihnen aus, und je nachdem, wieviel Kraft mit sittlich bejahendem Vorzeichen dazu verbraucht wird, um die Faktoren zu paralysieren, die mit dem verneinenden behaftet sind, verbleibt ein großer oder ein kleiner Rest zur Arbeit an der nationalen Idee.

Unter uns Deutschen hat sich als die stärkste der negativen, auf die Zerstörung des Volksgedankens hinwirkenden Gewalten im staatlichen wie im sozialen Leben der Mangel an Gefühl für große und gemeinsame Dinge erwiesen. Wir sind