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Der deutsche Gedanke in der Welt / Paul Rohrbach
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EINLEITUNG

In der Auffassung der Völker- und Menschheitsgeschichte streiten Idealismus und Materialismus gegeneinander. Formell könnten sie sich beide auf den Satz einigen, daß alles Geschehen die Auslese der Tüchtigsten zur Folge hat; inhaltlich aber wird bei ihnen das Verständnis dieses Gedankens ein sehr verschiedenes sein. Die materialistische Geschichtsauffassung wird ihn so begreifen, daß diejenigen die Sieger sind, die im Kampfe um ihre Existenz die Hilfsmittel aus der Welt der materiellen Kräfte auf das vollkommenste ausgestalten und auf das rücksichtsloseste für sich benutzen. Alle sogenannten Ideen und führenden Persönlichkeiten, alle Spannungen und Katastrophen, sie sind dem historischen Materialisten nur Folgeerscheinungen des ökonomisch-stofflichen Entwicklungs­vorganges, in dem sich die Geschichte erschöpft. Von diesem Standpunkte aus zu einer sittlichen Wertung des deut­schen oder irgendeines andern nationalen Gedankens zu ge­langen, ist unmöglich, denn wenn das Sittliche selbst kein ob­jektives Dasein hat, sondern nur eine aus dem Gebrodel ideenlosen Geschehens aufgestiegene Blase ist, von der man nicht weiß, wie lange sie sich halten und das menschliche Denken beeinflussen wird, so kann eine beliebige vorüber-