Druckschrift 
Deutschland unter den Weltvölkern : Materialien zur auswärtigen Politik / von Paul Rohrbach
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

u

Erstes Aapitel.

Die Aenderung der materiellen Daseinsdedingnngen Deutschlands seit der Keichsgrundung.

Wer die Reden und Aufzeichnungen Bismarcks studiert die größte organische Offenbarung politischen Verstandes, die wir besitzen um von hieraus an der Konstruktion der Richtlinien seines eigenen nationalen und staatlichen Denkens zu arbeiten, der wird an vielen Stellen aus den Ausdruck der Ueberzeugung des Fürsten stoßen, Deutschland habe an Ausdehnung seines territorialen Besitzes und seiner politischen Rl ach t- sphäre erreicht, wessen es bedürfe; es sei, nach Bismarckschem Sprachgebrauch,s aturier t". ' Mit besonderer Vorliebe spricht Bismarck diese Ueberzeugung überall dort aus, wo es sich darum handelt, dem Argwohn der auswärtigen Staaten entgegenzutreten, als ob die Ereignisse von bis l87s nur die Einleitung zu einer Epoche weiterer preußisch-deutscher Eroberungen in Europa gewesen seien. Und in der Tat bildet das politische Argument von der Saturiertheit Deutschlands so sehr das innere Schwergewicht in der auswärtigen Staatskunst Bismarcks, daß wir es in jeder Beziehung als den wichtigsten Ausgangspunkt für die Betrachtung der Verhältnisse Europas in der aus die Gründung des Deutschen Reiches folgenden Epoche betrachten müssen. Bismarck hat es selbst als ein besonders wichtiges Ergebnis seiner Politik angesehen, daß es ihm schließlich gelungen war, an allen maßgeben­den Stellen im Auslande eine leidliche Ueberzeugung von der Auf­richtigkeit dieses unseres Bekenntnisses der erreichten politischen Sättigung ins Leben zu rufen. Daß nach dieser Richtung hin an verschiedenen Punkten ein gewisses Mißtrauen überwunden werden mußte, das von: Standpunkt unserer Nachbarn, namentlich nach den Ereignissen vons87s, nicht ganz unbegreiflich erschien,