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Aus Südwest-Afrikas schweren Tagen : Blätter von Arbeit und Abschied / von Paul Rohrbach
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sachlichen Auskünfte auch noch für eine freundliche und herzlich wohltuende persönliche Aufnahme. Das ist ein Konsul, um den uns jedermann beneiden kann. Hätten wir doch viele von der Art, aber . . . aber . . .

Heute ist ein Wunsch zusammengebrochen, der sich seit Wochen erst langsam aufsteigend, dann mehr und mehr sich ver­dichtend, in mir festgesetzt hatte: die Idee, von Kimberley quer durch die Südkalahari auf dem rechten Afer des Oranjeflusses die deutsche Grenze auf dem Landwege zu erreichen und über Hasuur, Keetmanshoop und Gibeon nach Windhuk zurückzukehren. Auf zwei Telegramme nach Windhuk ans Gouvernement und ans Truppenkommando ist vom Gouvernement die Antwort ge­kommen, daß die Landreise und die Kosten dafür genehmigt würden, daß das ganze Anternehmen aber wegen der Kriegsgefahr allein auf mein Risiko ginge, und das Kommando warnt wegen der vorhandenen Unsicherheit dringlich. Das ist wieder mal so ein Moment, wo ein Mann, der Familie hat, sich anders entscheiden muß als der ledige. Wenn mich die Hottentotten irgendwo ab­schießen, so hat von den Meinigen niemand etwas weiter zu er­warten. Ein Anspruch auf Versorgung der Hinterbliebenen be­steht bei kommissarisch angestellten Beamten überhaupt nicht, und daß keine außerordentliche Befürwortung erfolgen würde, sagt das Telegramm des Gouvernements ja deutlich genug. Also heimwärts mit der Bahn nach Kapstadt und mit dem Ostafrikaner nach Swakopmund.

Windhuk, den 15. Juli 1905. Wieder zurück und in der Arbeit ach was für Arbeit I Nach all dem Sehen, Aufnehmen, Verarbeiten der neuen Dinge von Kapstadt bis zum Sambesi, von der westlichen Karroo bis zum Witwarersrand, wieder die Protokolle der Entschädigung - kommission, Unternehmungen und Beschlußsitzungen, die Berichte nach Berlin über den noch immer wachsenden und wachsen­den Schaden, die Not im Lande, die Sorge um das, was der Reichstag bewilligen wird, das furchtbar langsame Fortschreiten des Krieges im Süden, die endgültige Vernichtung des größten

Teils des Hererovolks samt allem Vieh im Sandfeld---

wieder das alte traurige Lied, dessen Melodie nun schon seit