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Aus Südwest-Afrikas schweren Tagen : Blätter von Arbeit und Abschied / von Paul Rohrbach
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Engländern verborgen, eine unglaubliche Gewaltkur, ging nach Deutschland, um noch während des Kampfes für sein Volk zu werben, und wurde dort mit Ernst v. Bergmann bekannt, der ihn in seine Klinik nahm und das zerschossene Bein glücklich operierte. Dort verlobte er sich mit seiner Pflegerin, Fräulein Hagedorn, ging wieder nach Afrika zurück und erwarb die Farm Sechskamelbaum bei Gibeon. Als das Nest gebaut war, holte er die Braut heim. Ich war im Juni während meiner Arbeit für die erste Schadensstatistik unten in Swakopmund, als die beiden heirateten. Die Tante Blohm begleitete sie für ein paar Monate an Mutterstelle auf ihre Farm. Als sie eben abreisen wollte, brach der Witbooiaufstand aus. De Wet wurde, soviel ich weiß als einziger unter allen Farmern im Bezirk, von einem seiner Äottentotten noch im letzten Augenblick gewarnt, konnte die Karre einspannen, mit den beiden Frauen aufsitzen und mit ihnen, nichts als das nackte Leben rettend, vier Stunden weit in die Feste von Gibeon jagen. Ich traf Frau de Wet am Nach­mittag des Heiligabends in einem Store. Einige Windhuker Damen hatten mit dem Nötigsten von Wäsche und Kleidung für den ersten Augenblick ausgeholfen, denn in Gibeon hatte es von alledem nichts gegeben. Ich forderte die drei auf, den Christabend bei uns zu verleben, und sie waren sehr, sehr dank­bar. Das ist für dies Jahr unsere eigentliche Weihnachtsfreude gewesen!

Windhuk, den 14. Januar 1905. Gestern habe ich mit meinem alten Kriegskameraden Äeim- soeth den Jahrestag gefeiert, an dem wir beide 1904 auf dem Marsch, auf dem ich von Grootfontein nach Waterberg wollte, Volkmanns Reiter trafen, die uns suchen und zurückholen sollten. Dabei habe ich einen Oberleutnant Füßlein vom Feldvermessungs­trupp kennen gelernt, einen sehr liebenswürdigen Offizier, auch Familienvater, der seine Frau und seinen Jungen hierher nach­kommen lassen will, da seine Arbeit mehr die des Militärtopo­graphen als des Kriegers ist. Freilich kann hier nie jemand wissen, wie bald er ins Feuer kommt. Füßlein hat mir etwas für mich sehr Wichtiges erzählt, daß der Chef des Vermessungs­trupps, Äcmptmann v. Äahnke, demnächst nach Gobabis will.