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väterlicher Freund Burgsdorff ist wirklich mit unter den Opfern. Sobald wird es nun nichts anzusiedeln geben, und meine Arbeit wird wohl ins Anbestimmte so bleiben wie heute. Nun noch 3 Tage, bis Frau und Kinder landen.
Swakopmund, den 25. Oktober 1904. Heute mittag 12'/z Ahr auf der Reede an Bord des „Feldmarschall" die Familie empfangen! Als wir an der Mole gelandet waren, begegnete uns der Zug der gefangenen Witboois, die mit ihren Bündeln eingeschifft wurden. Plötzlich erzählt mir Pensmann voll Aufregung, unter den Hottentotten sei einer, der sei gar kein Witbooi, sondern ein Verwandter von ihm von der Windhuker Werft. Im letzten Augenblick, als der Mann schon im Leichter saß, konnte ich ihn nach schneller Rücksprache mit dem befehlshabenden Offizier noch loseisen. Es war tatsächlich ein Windhuker Hottentott, der als Treiber im Felde stand und irrtümlich mit den Witboois zusammengefaßt und hinuntertransportiert worden ist! Für die Kinder ist vorläufig das Interessanteste an Afrika der Dackel Männe, der natürlich mit an Bord gefahren war und sich an den Fleischtöpfen Aegyptens („Feldmarschall"küche II. Kl.) wohl sein lassen durfte. Bärle hat unterwegs Mutterfreuden erlebt und sitzt mit ihren Kindern im Hotel Rubin in Karibik. Sie ist in ihrem Zustand so giftig, daß ich dort schon 10 M. für eine zerrissene Hose habe bezahlen müssen! Nun aber der Transport des mitgekommenen Hausrats nach Windhuk! Auf unserer 60-cm-Bahn kostet das einen Waggon, und ich muß zugeben: wenn ich als Kommandant bei dieser Inanspruchnahme der Bahn für Kriegszwecke über das rollende Material zu verfügen hätte, und es käme jemand, der einen Waggon von 5 Tonnen von Swakopmund nach Windhuk für sein privates Amzugsgut haben will, so würde mir das bei dem größten Wohlwollen schwer werden, zu bewilligen. Aber wir wollen es doch mit einem Telegramm nach Windhuk versuchen.
Swakopmund, den 27. Oktober 1904. Waggon bewilligt, Sachen verladen, Besuche gemacht, Klavier gekauft, — dazwischen noch '/2 Dutzend Vernehmungen. Morgen.
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