Vorwort.
Die nachstehenden Blätter enthalten eine Auswahl aus meinen Tagebuchaufzeichnungen in Südwestafrika vom Oktober 1903 bis zum Januar 1905. Der erste Teil bis zum Ende meines Aufenthalts in Grootfontein ist wegen der dortigen durch die monatelange Abgeschlossenheit bedingten Muße viel ausführlicher geraten, als es später der Fall sein konnte. Dieser Grootfonteiner Abschnitt hat schon vor fünf Iahren die Genehmigung des Kolonialamts zum Druck erhalten, doch mußte die Veröffentlichung damals aus anderen Gründen unterbleiben. Einzelne Stellen daraus, deren Publikation die Kolonialabteilung seinerzeit nicht wünschte, habe ich auch jetzt fortlassen zu sollen geglaubt. Für die späteren Aufzeichnungen habe ich bei der verausgabe das Prinzip befolgt, daß ich nichts zum Druck gab, was sich auf Dinge bezieht, die irgendwie unter die objektive Verpflichtung der notwendigen dienstlichen Diskretion, auch für die Zeit nach dem Ausscheiden aus dem Dienste, fallen. Andrerseits habe ich mich für berechtigt gehalten, Reflexionen zu veröffentlichen, die ihrer Natur nach nicht unter dieses Gebot gehören, und die außerdem durch die spätere Entwickelung der Dinge größtenteils bestätigt worden sind oder jetzt bestätigt werden.
Aus der Zeit nach dem Januar 1905 stehen als Abschluß des Ganzen nur drei Briefe da. Von diesen sprechen der erste und der zweite für sich selbst. Den dritten hätte ich am liebsten weder geschrieben noch publiziert. Nachdem aber in den Reichs- tagsverhandlungen vom 26. Februar d. I. die Frage, weshalb ich den Kolonialdienst habe verlassen müssen, öffentlich gestellt worden ist, blieb mir natürlich nur übrig, sie auch öffentlich zu beantworten.
Berlin-Friedenau, September 1909.
Paul Nohrbach.