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Der Njassasee und das deutsche Njassaland : Versuch einer Landeskunde / von Gisela Frey
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noch gar nicht entwickelt und kommt für einen Güteraustausch über den See hinweg noch nicht in Betracht. In der englischen Kolonie sind, ganz all­gemein gesprochen, dieselben wirtschaftlichen Ver­hältnisse wie in der deutschen. Beide produzieren noch nichts, was der anderen Kolonie fehlt und Gegenstand eines bedeutenden Handels über den See werden könnte. Die kleine deutsche Ausfuhr von Lebensmitteln nach britischem Gebiet beruht darauf, daß die Eingeborenen der britischen Kolonie die Arbeiter der Plantagendistrikte von Blantyre und Zomba nicht regelmäßig ernähren können. Be­sonders bei Mißernten wird dadurch die Zufuhr aus den Nachbargebieten notwendig. Eine Zunahme dieses Plantagenbaus und ein Emporblühen von in­dustriellen Unternehmungen, die eine größere Ar­beiterschar benötigen, nicht bloß in dem nahen Britisch-Njassaland, sondern auch in dem ganzen weiteren Südafrika, würde auch der deutschen Ko­lonie zugute kommen, und der Ausfuhr von Produk­ten der Landwirtschaft und Viehzucht kräftige An­regung geben. Vor allem aber wird der Bau einer deutschen Bahn zur Küste, den Handel und Verkehr auf dem See heben. Eine solche Balm wird die kürzeste und damit voraussichtlich billigste Ver­bindung der Länder um den nördlichen Teil des Njassasees herum mit Europa herstellen und daher den Handel auch der britischen Nordküste des Sees wahrscheinlich an sich ziehen. Die Bedeutung des Njassasees als Verkehrsstraße wird aber auch in Zukunft immer eine starke Einschränkung erfahren. Es mangelt ihm an guten Häfen. Auch die Verbin­dung des Hinterlandes ist in den meisten Fällen

außerordentlich durch die Natur der Grabenränder ersehwert, die dem Bau von Zugangsstraßen große Schwierigkeiten bereitet. Namentlich die deutschen, östlich des Sees gelegenen Hochländer besitzen be­sonders ungünstige Terrainverhältnisse. Die steilen Hänge des Livingstonegebirges und des Matengo­hochlandes hinauf und hinab wird der Träger und das Tragtier noch auf lange Zeit hinaus das einzig mögliche Transportmittel sein.

Die stetige Entwicklung der wirtschaftlichen Möglichkeiten ist zur Zeit ganz außerordentlich durch das Auftreten der Sehl a f k r a n k h e i t gestört. Die südwestlichen englischen Distrikte sind verseucht. Auch in Karonga am Nordwestende des Sees sind neuerdings Fälle von Schlafkrankheit vor­gekommen (112, p. 271). Im deutschen Gebiete ist sie noch nicht über die Rowumalandschaft hinaus, wo man sie zuerst feststellte, vorgedrungen. Der ge­wöhnliche Träger der Krankheit, der sie am Tanga- njika und Victoria-See verbreitet, die Glossina palpalis, ist hier in den Krankheitsgebieten am Njassa noch nicht gefunden worden. Hier scheinen vielmehr die anderen Glossinenarten, vor allem Glossina morsitans, als Träger der Krankheit in Betracht zu kommen. Wie es aber in jenen Gebieten gelungen ist, die Gefahr der Ansteckung stark ein­zuschränken, so darf man auch hier auf einen Er­folg in der Bekämpfung der Seuche hoffen.

Alle Kenner des Landes sind sich einig darin, daß der Bau einer Bahn zur Küste Njassaland zu einem der bevorzugtesten Siedlungsgebiete Deutsch- Ostafrikas machen und seine schnelle Entwicklung zu hoher wirtschaftlicher Blüte auslösen wird.

Erläuterung zu der orographischen Karte.

Die Karte soll in großen Zügen eine rohe Übersicht über die Höhenverhältnisse der Randlandschaften des Njassasees gewähren. Das Material, das der Karte zugrunde gelegt werden konnte, geht auf deutsche und britische Quellen in der Haupt­sache zurück, portugiesische fehlen fast gänzlich. Es sind infolgedessen sehr ungleichartige Quellen hinsichtlich der Menge und der Brauchbarkeit für die einzelnen Teile zur Verwendung gekommen. Namentlich fehlten für Portugiesisch-Njassaland und für das britische Gebiet zwischen 12 0 und 14 0 S. fast sämtliche Angaben. Nur wenige Andeutungen gibt die portu­giesische Karte 1 : 300000. Englische topographische Arbeiten sind im Vipya-Plateau und im Zentral-Angoniland noch nicht vorgenommen worden; nur einige Höhen sind gemessen. Hinzu kommt, daß britische Karten, die offenbar auf denselben Auf­nahmen beruhen, in der Orographie nicht übereinstimmen. Die Höhenlinien und die Tiefenliuien wurden in Abständen von 250 m gezogen, indem entsprechende Höhenzahlen unter Berücksichtigung der Geländedarstellung auf den benutzten Karten durch Kurven verbunden wurden. Für das deutsche Gebiet kamen Blatt Langenburg der Karte 1 : 1 000 000, die entsprechenden Blätter der Karte von Deutsch-Ostafrika im

Maßstabe 1 : 300 000, Kohlschütters Karte des Ukingagebirges im Maßstäbe 1 : 100000 und die Höhenberechnungen in Kohl­schütters Wissenschaftlichen Ergebnissen der ostafrikanischen Pendelexpedition (24) in Frage, für das Nyika-Plateau und die Shire-Highlands dasobengenannteBlattLangenburg 1 : 1000000, die Generalstabskarten von Britisch-Njassaland im Maßstabe 1 : 1 000000. 1 : 250000 Sheet 105 und 111, ferner H. H. John­stons Höhenkarte der Shire-Highlands (58) und die Aufnahmen der portugiesisch-englischen Grenzvermessung. Für das Gebiet zwischen 12 0 bis 14 0 S. auf englischer und portugiesischer Seite macht Rhoades in seiner Karte des Njassasees (45) einige Höhenangaben; daneben mußten Höhenzahlen aus Reise­berichten und meteorologischen Veröffentlichungen verwendet werden. Die Tiefenangaben im See entstammen der Karte von Rhoades und der englischen Generalstabskarte „Nyasaland Protectorate" 1 : 1 000 000. Die Umrisse des Sees für das Gebiet zwischen io° und 12 0 S. wurden der deutschen Karte 1:1000000 Blatt Langenburg entnommen, für die übrigen Teile wurden Rhoades Vermessungen unter geringen Abänderungen nach der Spezialkarte 1 : 250 000 zugrunde gelegt.