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Der Njassasee und das deutsche Njassaland : Versuch einer Landeskunde / von Gisela Frey
Entstehung
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an den Ergüssen mehrere Decken unterscheiden 4 (z. B. 21, p. roi). Ablagerungen lakustriner

Entstehung im Grabenbecken, die sich in verschie­denen Niveaus befinden, beweisen, daß hier noch weitergehende Senkungen der Grabensohle stattge­funden haben. Auch heute noch sind die tektoni- schen Kräfte an der Arbeit. Das isostatische Gleich­gewicht ist noch nicht hergestellt (41). Erdbeben sind im Njassagebiet eine häufige Erscheinung, und heiße Quellen werden noch heute längs der Graben­ränder beobachtet. Der Einbruch des Njassa gab

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der Erosionstätigkeit der Flüsse neue Impulse. Sie ist charakterisiert in der Zerstörung der durch die Krustenbewegungen hervorgerufenen Niveauunter­schiede, durch die Schöpfung junger Formen auf der alten Rumpfebene, durch Anhäufung gewaltiger Schuttkegel und Deltabildungen am Njassa. Die Wirkung dieser jungen, erosiven Tätigkeit in den verschiedenen Gebieten näher zu beleuchten, soll Aufgabe der Beschreibung der einzelnen Land­schaften, die sich zu dem deutschen Njassagebiet zusammenschließen, sein.

Kapitel III.

Die Oberflächenformen der einzelnen Landschaften.

Deutsch-Njassaland, d. h. die Randlandschaften, die zu dem See hin auf deutscher Seite entwässert werden, besitzt infolge der vertikalen Glie­derung, die die Wasserscheide nahe an den öst­lichen Grabenrand rückt, eine weit geringere Aus­dehnung wie die in gleichem Sinne umgrenzten eng­lichen Gebiete. Es erstreckt sich etwa zwischen 9 0 und 12° südlicher Breite und zwischen 33 0 und 35 0 östlicher Länge von Greenwich. Es umfaßt einen Teil der östlich und westlich des Sees gelegenen Hochländer und das zwischen ihnen befindliche Kondeland.

Die Hochländer tragen nicht einheitlichen Charakter. Zu den westlichen gehört ein Teil des Unjika - Malilahorstes, die Landschaften Undali und Urambia; die östlichen dagegen werden durch die breite Ruhuhusenke, ein Gebiet für sich, in das südliche Matengohochland und das nördliche Li- vingstonegebirge geschieden.

Zwei tektonische Leitlinien, die sich sowohl im Gebirgsbau wie im Entwässerungsnetz ausprägen, treten vor allem in dem ganzen Gebiete hervor. Die eine von beiden, gewöhnlich meridional verlaufende, im Schichtstreichen der Gesteine begründete, kehrt in dem Verlaufe der Randketten des Sees und in der Streichungsrichtung eines Teiles der Grabenbrüche immer wieder. Ihr folgen z. B. der Schire-Njassa- Rukwagraben, die Senke von Fort Hill, der Ubena- bruch, die Gräben des North und South Rukuru. Die andere, mit mehr west-östlicher Tendenz, ist z. B. in der Senke des Ruhuhu und im Ruahagraben ausgeprägt. Über das genauere Alter aller dieser Verwerfungszonen bestehen bisher nur Vermu­tungen. Sicher ist allein, daß - - ein großer Teil der­selben postkarroo entstanden ist (35, p. 356).

1. Der Njassasee.

(Vgl. 35, P- 353ff-; 21, Kap. 2, 4, 5, 12; 23, Kap. 6.)

Den tiefsten Teil der gewaltigsten von all diesen Senkungszonen nimmt der Njassasee ein. Er erstreckt sich zwischen io° 30' und 14° 25' süd­licher Breite und 34 0 und 35 0 östlicher Länge (Greenwich). Seine Längsachse streicht nahezu meridional in der Richtung des 34 0 30' Längen­grades. Seine maximale Länge beträgt über 500 km, seine Breite dagegen im Mittel nur 50 km. 26500 qkm (S c o b e 1 s Handbuch II, 5. Aufl., p. 179), etwa ein Areal von der Größe der Rhein­provinz, werden von seinen Wassern bedeckt. Sein Spiegel liegt in 478 m Meereshöhe.

Er ist ein typischer Grabensee, dessen Wasser in einem langen, trogähnlichen Tale ruhen. Diese Landschaftsformen haben einmal die Vermutung wachgerufen, als verdankten sie ihre Entstehung der Tätigkeit von Gletschern (42, p. 310). Doch ist dieser Erklärungsversuch vollständig verfehlt, da alle Bedingungen für .eine junge Vergletscherung des Njassagebietes völlig fehlen. 1 ) Die Bildung des Njassa ist vielmehr auf tektonische Kräfte zurück­zuführen. Schon T homson hat einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den vulkanischen Erschei­nungen am Nordende des Sees und dem Njassatalc angenommen (11, Anhang III, p. 228). S u e s s hat' ihn klar erkannt (43, p. 155 ff.), und in der Tat spricht auch eine Fülle geologischer und morpho­logischer Erscheinungen für diese Auffassung. Der sicherste Beweis ist wohl der, daß die tiefsten Stellen des Sees weit unter dem Meeresspiegel

') Schon Drummond hatte 1885 den Mangel an glazialem Formenschatz und glazialen Ablagerungen festgestellt (31, p. 1032).