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trnig verleiht ihr der Umstand, daß hier die Straße Kilwa—Neu-Langenburg, soweit sie Landweg ist, ihr Ende erreicht. Günstige Hafenverhältnisse sind ebenfalls bei ihrer Anlage gerade an dieser Stelle in ziemlich unfruchtbarer, wenig besiedelter Gegend maßgebend gewesen. Die schnellste und bequemste Karawanenstraße zum deutschen Njassaland, die /.um Teil sogar fahrbar ist, hat hier in Wiedhafen ihren wichtigen Endpunkt erhalten. Das Eingeborenendorf liegt etwas von der Station entfernt.
Die Niederlassungen der Verwaltung haben ebenso wie die der Mission konzentrierend gewirkt. Nicht nur Eingeborene haben die lebhaften Märkte auf den deutschen Bezirks- und Militärposten angelockt, auch indische und arabische Händler haben sich dort mit ihren charakteristischen Häusern im Küstenstil angesiedelt.
Neuerdings haben sich auch einige Pflanzer und Farmer im Bezirk niedergelassen. Im Jahre 1911 waren es sieben im ganzen Langenburger Distrikt, wie viel im eigentlichen Njassaland, geht nicht aus der Statistik hervor.
Die europäische Bevölkerung ist in langsamer Zunahme begriffen (105). Die Zahl der Europäer betrug :
Bezirk Langenburg. BezirkSsongea,
a) im ganzen b) im Njassa- a) im ganzen bj im Njassa-
Bezirk.
gebiet.
Bezirk.
gebiet.
1898 .
57
1904 . .
. 12S
85
28
18
1909 . .
• 132 2 )
113
28
23
I9I2 1 ) .
• 152
34
"23
Die gesamte europäische Bevölkerung stellt sich im Njassagebiet Ende 1908 demnach auf 131.
Sie verteilt sich folgendermaßen auf die einzelnen Landschaften:
Ende 1908: Upangwa 13, Ukinga 17, Buanji 5,
Matengo 10, Konde 74, Undali 7, Urambia 6, Küste zwischen Alt-Langenburg—Wiedhafen 4.
Drei Siedlungsschichten verschiedenen Charakters finden sich also im deutschen Njassaland: 1. Eingeborenendörfer, 2. Missionsniederlassungen, 3. Regierungsstationen. Diese drei Typen lassen sich teilweise bereits an den Namen erkennen: Die Siedlungen der Eingeborenen heißen gewöhnlich nach dem jeweiligen Stammeshäuptling oder Jum- ben, z. B. Amakita's, Muakilinga's, Ngomba's. Es geht aber auch der Name des Baches, Berges, an dem sie liegen, auf die Ansiedlung über, z. B.: Pa- Rumbira, Mbongo, Lupindo. Auch kommt es vor, daß eine charakteristische Bodeneigenschaft die Ursache zu einer Namengebung wird; z. B. sah B o r n h a r d t ein Dorf in Ukinga, dessen Bewohner lebhafte Eisenindustrie treiben, das den Namen Ku- Ndapa, d. h. beim Eisen, trug (21, p. 80). Aber wie die Siedlungen, so sind auch die Namen rasch vergänglicher Natur. Die Art jedoch, wie die Eingeborenen ihre Ortsnamen wählen, gewährt einen interessanten Einblick in die Psyche eines Naturvolkes, seine Anschauungen und seine Kultur. Ein Teil der Missionsstationen des Njassalandes verrät schon durch ihren Namen, daß ihre Gründung auf die Kirche zurückgeht: das ist z. B. der Fall bei Rutenganio (Friede) und Ipiana (Gnade). Die durch die Regierung gegründeten Niederlassungen tragen zum Teil deutsche Namen; so z. B. Langenburg nach dem Fürsten Hohenlohe-Langen- burg, Wiedhafen nach dem Fürsten von Wied, wie die frühere britische Amelia-Bay umgetauft wurde. Neben diesen Namen leben aber noch bei den Eingeborenen einheimische Bezeichnungen fort. So heißt z. B. Rutenganio bei den Kondeleuten Karara- muka's, Alt-Langenburg Pa-Rumbira usw.
Kapitel VIII.
Das deutsche Njassaland als Wirtschafts- und Siedlungsgebiet.
Die Entwicklung eines Gebietes beruht auf verschiedenen Faktoren. Nicht nur der Reichtum an Produkten jeglicher Art ist dafür maßgebend. Den Ausschlag gibt die Yerwertungsmöglichkeit, geben die Beziehungen zum Weltmarkt und Weltverkehr.
1 } Leider ist im Bericht nur noch die Bevölkerungszahl für den ganzen Bezirk gegeben; die Verteilung auf die einzelnen Stationen und Pflanzungen ist nur bis 1909 geführt (neue Bezirkseinteilung).
2 ) Alte Bezirkseinteilung.
I. Njassaland als Produktionsgebiet.
Das deutsche Njassaland ist im allgemeinen ein einheitliches Wirtschaftsgebiet, obgleich grundverschiedene Faktoren in ihm wirken. Ein scharfgesondertes Wirtschaftssystem hat sich von altersher bei den Eingeborenen ausgebildet, das auch heute noch in derselben Art fortbesteht. Vollständig anders geartet ist der Anteil, den die eingewanderten Farbigen, Araber, Inder und Suaheli an der Produk-