Erster Abschnitt.
Geschichte der Gesellschaft für deutsche Rolouisutwu bis zu dem UnlMu-Mternehmen.
Des Kaisers siebenundachtzigster Geburtstag hatte in der Philharmonie zu Berlin eine ansehnliche Versammlung zu begeisterter Feier verewigt. Nachdem die erhebenden Klänge verrauscht wareu, bliebeu noch viele Festgenossen in lebhafter Unterhaltung beisammen, so auch uach getroffener Verabredung die Herren Graf Behr-Bandelin und vr. xdil. Carl Peters. Beide waren zusammengeführt durch den Wnnsch, die Kolonialbewegung, welche durch den Central- verein für Handelsgcographie und den Deutschen Kolonialverein angeregt war und in Fluß erhalten wurde, so bald als möglich zu Thaten überzuleiten, wie es Dr. Peters bereits mehrfach in Aufsätzen der „Gegenwart" und in Vorträgen betont uud bei deu leiteudeu Kreisen des Kolonialvereins, freilich ohne Erfolg, empfohlen hatte. So beschlossen sie, eine neue Vereinigung anzuregen, die sich lediglich mit praktischer Kolonisation befassen sollte.
Graf Behr ließ daher zu einer Zusammenkunft am 28. März 1884 Einladungen ergehen, welchen etwa 30 Herren Folge leisteten. Dr. Peters hielt einen Vortrag über die politische, wirtschaftliche und allgemein nationale Bedeutung einer überseeischen Kolonisation seitens des Deutschen Reiches und Volkes und stellte im Anschluß daran folgende 4 Thesen auf: „1) Die Anwesenden sind von der Überzeugung durchdrungen, daß Deutschland einzutreten habe in eine energische nationale Kolonisation. 2) Diese Kolonisation ist so schnell und so nachdrücklich als möglich praktisch einzuleiten, damit nicht uoch Jahre laug der Strom unserer Auswanderung ungehemmt in sremde Nassen abfließt, und nicht noch mehr der besten außereuropäischen Länderstrecken von Fremden occupiert werden. 3) Bis das Reich sich entschließt, in eine energische Kolonialpolitik einzutreten, ist es nötig, daß das deutsche Volk selbst mit praktischen Schritten in dieser Richtung vorangehe. 4) Für diese praktische Einleitung der deutscheu Kolonisation ist eiue Vereinigung zu bilden." Die Versammlung erklärte sich uach eingehender und lebhafter Besprechung mit deu Thesen einverstanden, der vorgeschlagenen Vereinigung, die den Namen einer „Gesellschaft für deutsche Kolonisation" annahm, traten 24 Herren durch Unterschrift bei. Gleichzeitig wurde