Britisch- und Deutsch-Oswfrlka als SledelunlMeviet für Europäer. 113
Ebenso wie im Zentrum und Süden des deutschen Gebietes dringt auch in Britisch-Noassaland der Islam in verschiedenen Bezirken schnell vor. Wie aufmerksam diese Bewegung verfolgt wird, ist am besten ans dem vorzüglichen, in 7 jähriger Arbeit unter starker Beteiligung der Beamten zusammeugestellteu, in diesem Jahre zum erstenmale erschienenen „Handbook of Nyassnland" zu ersehe».
Eiue mlgeublickliche Gefahr erblickt man in demselben allerdings deshalb nicht, weil die Truppen aus einheimischen Askaris und indischen Shiks gemischt sind, und weil einer viele Jahre lang konsequent unter demselben Gouverneur durchgeführten Eingeborenenpolitik die allmähliche Entwaffnung der Stämme, sei es mit Gewalt nach Aufständen, sei es auf friedliche Weise durch hohe jährliche Stempel- und Registrierungsgebühren und Konfiskation der Gewehre im Übertretungsfnlle gelungen ist, sodaß sich nach amtlicher Auskunft gar keine Hinterlader und nur gauz wenige Vorderlader in den Händen der Eingeborenen befinden.
Schlntzvetrachtung.
Aus Gruud der bei Vereisung der Hochländer im Norden uud Südeu von der Kommission gewonnen Eindrücke soll hier noch kurz auf die weit verbreitete Ansicht eingegangen werden, daß man erst viele Jahre abwarten müsse, wie sich Weiße, insbesondere Deutsche, mehrere Generationen lang in fremden Zonen ohne Klimawechsel, ohne Blutmischung und ohne Blutzufuhr entwickeln, und ob sich die Nachkommenschaft dabei körperlich und geistig aus der heimischen Kulturhöhe erhalte. Eine derartige isolierte Kolonisation uuter abnormen, sozialen Lebensbedingungen, wie sie in früheren Jahrhunderten in den Tropen wiederholt mißglückt ist, in den Subtropen unzweifelhaft gelungeu ist (z. B. die Burenrepublikeu, die Deutscheu iu Südbrasilieu), kommt uach Ansicht der Kommission in der Gegenwart kaum uoch, und iu Deutsch-Ostafrika geiviß uicht mehr vor. Die Verkehrsverhältnisse haben sich in den letzten 20—30 Jahren zu sehr verändert. Reisedauer und Reisekosten sind so herabgesetzt, daß der Ansiedler, welcher vorwärts kommt, früher oder später die Heimat besuchen und Fnmilienmitglieder zeitweilig heimsendeu kann, daß aber, wer sein Fortkommen nicht findet, abwandern kann oder abgeschoben wird, um anderwärts sein Glück zu versuche«. Überall kaun der Zusammenhang mit der heimischen Kultur durch Briefe, Zeitschriften und Bücher bequem aufrecht erhalten werden, und der Zuzug vvn neuen Siedlern,
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