52
Dr. v. Lindequist.
wird man deren Gesundheitszustand studieren müssen, und am See ist, wie erwähnt, die Grenze gegen den Schlafkrankheitsgürtel noch festzustellen.
Wenn für diese westlichen Hochländer die Überzeugung von ihren klimatischen Vorzügen, wie sie die Kommission sich gebildet hat, weniger, als an den anderen besprochenen Siedlungsgebieten mit Beispielen bereits eingesessener Familien zu belegen ist, so kann sie andererseits unterstützt werden durch die Analogie mit weiten Landflächen in Britisch-Ostafrika, die auffallend ähnlich sind. Hier aber ist, wie dem beschreibenden Teil zu entnehmen ist, eine weiße Besiedelung im Gange, deren Gesundheitszustand nichts zu wünschen übrig läßt. Wohl haben englische Arzte ihre Bedenken gegen generationslangen Aufenthalt unter dem Äquator nicht verhehlt, wohl die ganze Besiedelung als ein Experiment erklärt, dessen Ausgang, wenn es nicht mit schnellem, klaren Mißerfolg endet, erst unsere Enkel bewerten können. Aber dieses Experiment der Ausdehnung der weißen Rasse auf die tropischen Länder geschieht in Britisch- wie in Deutsch-Ostafrika freiwillig und läßt sich von pessimistischen Erwägungen nicht leicht stören.
b. Wirtschaftliche Verhältnisse.
Vom wirtschaftlichen Standpunkte aus zerfallen die von der Kommission bereisten Gebiete in zwei Teile: in solche, wo bereits Ansiedelungen von Weißen bestehen, und in gänzlich unbesiedelte und menschenleere Länderstrecken. Bei den ersteren handelt es sich wirtschaftlich ebenso wie hygienisch nicht mehr um die Frage, ob die Regierung überhaupt eine Besiedelung der Hochländer Ostafrikas zulassen oder in die Wege leiten will, denn die Ansiedelungen sind bereits vorhanden. Seit mehreren Jahren haben sich in einem Teile der Hochländer, vor allem in Westusambara und im Kilimandjaro-Merugebiet, eine Anzahl Weißer deutscher und anderer Nationalität angesiedelt.
Es kann sich also für diese Gebiete nicht sowohl um die Frage handeln, ob hier Ansiedelungen zuzulassen sind, als darum, wie man sich zu den bereits vorhandenen stellen soll, ob und welche Maßnahmen allgemeiner Natur zu treffen sind, um den Ansiedlern ihr Fortkommen zu erleichtern. Anders liegt es in jenen weiten Hochländern westlich und südwestlich vom Meru und Kilimandjaro, wo nur hier und da, wie in Ngorongoro, eine einzelne weiße Ansiedelung eingesprengt ist. Für ihre Erschließung ist es von großer Bedeutung, wie die Regierung