Teil eines Werkes 
Teil 1 = Bd. 1 (1912) Deutsch-Ostafrika als Siedelungsgebiet für Europäer unter Berücksichtigung Britisch-Ostafrikas und Nyassalands : Bericht der 1908 unter Führung des damaligen Unterstaatssekretärs Dr. von Lindequist nach Ostafrika entsandten Kommission
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Britisch- und Deutsch-Ostafrika als Siedlungsgebiet für Europäer. 107

Ankömmlingen in hygienischen und wirtschaftlichen Fragen Auskunft zu erteilen.

Forderungen für eine Einwandererhygiene auf der Zentralbahn °(für den Norden auf der Usambarabahn) in Gestalt mückensicherer Schlafwagen, keimfreien Trinkwassers und dergl. wird man erst stellen können, wenn einerseits der Bahnbau weitergeführt und z. B. Nacht­betrieb eingerichtet sein wird, und wenn andererseits sich Einwanderer in größerer Zahl einstellen werden.

v. Bereifung von Britisch-Nyassaland.

Die Engländer teilen ihre KolonieNyassaland" früher Britisch Central-Africa" genannt politisch in die nördliche See- und südliche Flußprovinz, klimatisch aber unterscheiden sie, wie wir, Hochländer und Niederungsgebiete.

Gesundheitlich ist das Unterland sicherlich kein Ansiedelungsgebiet, da in ihm allenthalben Malaria mit Schwarzwasserfieber, Ruhr, Rückfallfieber und andere Seuchen herrschen; aber auch im Oberlande liegen die meisten Ansiedelungen um die 1000 ra-Grenze, wo die Hitze und Schwüle des Südsommers stellenweise erheblich ist und wo Malaria und teilweise auch Dysenterie unter Eingeborenen noch so verbreitet ist, daß der Europäer zu seinem Schutze besonderer Vor­kehrungen bedarf. Die wahrscheinlich ganz einwandfreien Hochgebiete von über 1500 m sind bis jetzt fast nur von einigen Missionen bewohnt oder als Erholungsstatiou für wenige Monate im Jahre benutzt. Diese Hochgebiete hat die Kommission leider nicht besuchen und sich auch auf den beiden Hauptplätzen des Oberlandes, Zomba und Blantyre nebst Umgegend nur wenige Tage aufhalten können; aber sie ist in ihren Erkundungen durch die ergiebige Auskunft der englischen Behörden wie durch die freimütigen Angaben der Privatleute sehr entgegen­kommend unterstützt worden. Wie in Britisch East Africa war es auch hier die Meinung der meisten Beamten, Medizinaloffiziere und evange­lischen Missionare, daß der Europäer in keinem Tropenlande, in keiner Meereshöhe dauernd gesund bleiben könne, und hier wie dort schien die Einrichtung des den Beamten und Missionaren zustehenden Heimat­urlaubes die Beurteilung der Akklimatisation wesentlich zu beeinflussen. Pflanzer, Kaufleute und Ansiedler waren zum großen Teil anderer Ansicht und bewiesen durch einen bis zu acht Jahren ununterbrochenen