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Alaska : ein Beitrag zur Geschichte nordischer Kolonisation ; Bericht, dem Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten / erstattet von H. Erdmann
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Eskimoleben von heute am Beringmeer und am

Eismeer.

Russische Kolonisation in St. Michael. Erhaltung und Zivilisierung der Eingeborenen auf den Inseln im Nortonsund und auf der Sewardhalbinsel. Die vier Völkerfamilien unter den Eingeborenen Alaskas. Sprachliche Ver­wandtschaft mit den Indianern einerseits, den Völkern Nordasiens anderer­seits. Epidemien. Winterverkehr über die Beringstraße mit den Tschuktschen. Kinderpflege und Ernährung. Topeks. Lebende Menschen unter und Tote über der Erde. Denkmäler und Totenfeste.

St. Michael ist eine stattliche und freundliche Hafenstadt, die, im Jahre 1835 gegründet, fast ganz aus der Zeit russischer Besiedlung des westamerikanischen Polarlandes stammt und daher noch heute ein vorwiegend slavisches Gepräge trägt. Die Unionsregierung hat sich zwar den Ort für militärische Zwecke vorbehalten, aber das macht ihn noch nicht zu einer Soldatenstadt etwa nach Art einer kleinen preußischen Garnison. Zahlreiche Eskimofamilien sind dort angesiedelt und, dank früherer russischer Fürsorge, der Kultur, so wie sie sie ver­stehen können, erschlossen. Sie haben guten Verdienst und befinden sich in behaglicher Lage. Dabei haben sie einen gewissen Nationalstolz beibehalten und nicht allzuviel von ihrer Urwüchsigkeit eingebüßt. St. Michael bietet also ein ganz gutes Feld für das Studium von Sitten und Gebräuchen der amerikanischen Eskimo von heute, namentlich wenn man die Nähe der Sewardhalbinsel in Betracht zieht, wo sich nörd­lich und südlich der Beringstraße noch ein reges Eingeborenen­leben entwickelt. Nur ist es sehr zeitraubend und ohne den Besitz eines eigenen Schiffes überhaupt schwer ausführbar, solche Studien bis an die Küsten des Eismeeres fortzusetzen und der an das Beringmeer stoßende Teil der Sewardhalb­insel zeigt in und um der volkreichen Goldgräberstadt Nome