4. Die geschichtliche Entwicklung der heutigen politischen Verhältnisse in der Güdsee.
s ist leider viel zu wenig bekannt, welchen hervorragenden Anteil deutsche Unternehmungen an der neuzeitigen wirtschaftlichen Erschließung der ganzen Südsee haben, und welchen Einfluß diese Unternehmungen — allerdings sür uns Deutsche fast nur in negativem Ginne — auf die jetzige politische Gestaltung der Besitzverhältnisse gehabt haben.
Den Entdeckern des Z8. Jahrhunderts folgten mit Beginn des Zg« zunächst die LValfischfänger, dann die Missionare und schließlich die Menschenjäger, um Sklaven für die Plantagen in Cweensland und anderen Gebieten (Zioji-Inseln) zu rauben. Alle haben einen unheilvollen Einfluß auf die Bevölkerung der Inseln ausgeübt; das beweist am besten die furchtbare Entvölkerung aller Inselgruppen, die mit der europaischen Kultur in Berührung gekommen sind; erst in letzter Zeit ist hierin an vielen Orten eine Besserung eingetreten. Die von den rvalfischfängern und anderen Schiffen entlaufenen Matrosen und die aus Australien entflohenen Sträflinge waren auf den meisten Inselgruppen die zweifelhaften Kulturträger. Zum Teil — wie z. B. in Fidji und Tahiti — beeinflußten sie die politischen Verhältnisse ganz wesentlich und begründeten den kleinen Händlerstand oder führten als sogenannte „deaclieombers" — den Nimbus des Meißen ausnutzend — ein faules Dasein auf Kosten der Eingeborenen. Solche abenteuerlichen Gestalten gab es noch zu Anfang dieses Jahrhunderts auf vielen einsamen Inseln, wenngleich deren wirtschaftliche Aufschließung sie oft zu brauchbaren und furchtlosen Rulturvionieren gewandelt hat, solange der Alkoholteufel ihnen fernblieb.
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