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Das tropische West- und Mittel-Afrika / von Franz Thorbecke
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Franz Thorbecke:

Schlafkrankheit ein Ende gesetzt. Sie hatte im ganzen Waldgebiet von Süd- Kamerun bis an die Grenzen Angolas furchtbare Opfer gefordert, mehr wie Pocken oder Dysenterie; sie wird noch weitere fordern. Es sind ja nicht alle Gebiete der großen Hyläa gleich schwer betroffen, an manchen Punkten scheint diese furchtbarste Plage West- und Mittel-Afrikas sogar fast mehr die Savanne zu bevorzugen. Aber gerade der Wanderhandel, die großen Sklaven- und Elfen­beinkarawanen früherer Zeiten, die Zehntausende, ja Hunderttausende von Trä­gern, die dauernd den Wildkautschuk zur Küste und Waren ins Innere schlepp­ten, haben zur Verbreitung der Seuche beigetragen und ganze Länder in ihren Bann gezogen. Leider hat die internationale Konferenz zur Bekämpfung der Schlafkrankheit in London 1907 wenig wirklichen Gewinn gebracht. Aber wer in Zukunft West- und Mittel - Afrika besitzen wird, muß mit dem sehr hohen Passivposten der Schlafkrankheit rechnen; fast das ganze Waldland, weite Ge­biete der Savanne und vielleicht sogar mancherorts die Steppe, wo wir in Ost- Afrika mehr wie einen Herd kennen, sind von dieser Volksseuche befallen. Wer der Schlafkrankheit Herr wird, wird auch der Herr des tropischen Afrika.

Savanne und Steppe.

Vielerlei Übergänge führen vom Wald zur Savanne, dem Grasland Inner- . Kameruns und Nigeriens, der Campine der Nieder-Guinea; im Grenzgebiet gegen ' den Wald ist sie Parkland mit Waldzungen und Waldinseln, sonst offene Gras­flur mit Einzelbäumen und Uferwald, auch noch in größerer Höhe, aber nicht zu fem von der Feuchtigkeit des Meeres, bedeckt sie weite Flächen. Ist der Wald des Menschen Feind, läßt er nur strichweise, fast linienhafte Besiedelung zu, verändert sich sein Aussehen erst durch das Eingreifen des mit allen Mit­teln der modernen Technik arbeitenden Kulturmenschen, so zeigt die Savanne auf den ersten Blick vielfach deutliche Einwirkungen menschlicher Tätigkeit über weite Flächen: in ihr können wir überall da, wo ungestört durch feind­liche Gewalten der Mensch seit Generationen seine Felder im mühsamen Hack­bau bestellt, wirkliche Kulturlandschaften durchwandern, deren Aussehen an heimische Verhältnisse gemahnt. So weit das Auge schaut, Feld neben Feld, auf ihnen zerstreut die kleinen Häuschen, nirgends mehr die eine lange, dünne Häuserzeile, die bald im Waldinnern verschwindet. Menschen leben da bei ein­ander, schließen sich zu größeren Orten, selbst Städten zusammen, mit wirk­lichen Straßen und Plätzen, auf denen sich ein Marktleben abspielt, so lebhaft, wie nur irgendwo im Orient. Staaten sind entstanden, ganz selbständig, ohne jede Einwirkung von außen, aus der Welt des Europäers an der Küste oder der des Islam in der innern Steppe; Gründungen intelligenter, zum Herrschen geborener Negerfürsten, oft aus uralten Geschlechtern. Wer von der Küste kommt, den Urwald mit seiner ungastlichen Bevölkerung, mit seinem Mangel an Organisation glücklich hinter sich hat, den setzt in der freien Luft des nach allen Seiten offenen Landes wohl nichts so in Erstaunen, wie diese Schöpfungen staatenbildender Kraft von Generationen, diese Würde wirtlich großer Häupt­linge nach dem widerlichen Gebettel der elenden Dorfschulzen im Wald, die oft nur der Spott ihrer eigenen Volksgenossen sind. Eine uralte, durchaus auf sich selbst gestellte Kultur umfängt uns, die auch unter der Berührung mit der europäi-