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Es liegt nahe, hieran die Schlußfolgerung zu knüpfen, daß es den Regierungsorganen an der nötigen engen Verbindung mit der eingeborenen Bevölkerung gefehlt haben mülTe. Es ift auch zuzugeben, daß die vorhandene Fühlung nicht ausgereicht hat, um die Rebellion oder gar deren fpäteren Umfang vorauszufehen. Einen Vorwurf wird man aber dem Gouvernement gerechterweife daraus nicht machen dürfen. Man vergegenwärtige (ich nur, daß fowohl die feit Jahren unter den Eingeborenen wirkenden Millionäre, als auch die zahlreichen farbigen Händler, die fpäter zu Hunderten von den Rebellen niedergemacht wurden, (ich in völliger Sicherheit wähnten, daß ferner viele im Land zer- ftreut wohnende frühere Askari der Schu^truppe, die bei Ausbruch der Erhebung fofort freiwillig wieder zur Fahne eilten, von den Plänen der Aufrührer völlig überrafcht worden find. Berück- fichtigt man die vollendete Täufchung aller diefer mitten im Volksleben und im vertrauten Verkehr mit den Eingeborenen flehenden Elemente, fo wird die Kritik nicht tadeln können; fie wird höch- ftens die Geheimhaltung des Planes zu bewundern haben.
Über eine beftimmte Persönlichkeit, deren Kopf der erfte Urheber- Gedanke zu einer Erhebung entfprang, hat man auch im Verlauf fchaft der fpäteren Aktionen nichts Zuverläffiges in Erfahrung bringen können. Aus der vorzüglichen Wahrung des Geheimnisses läßt fich nur fchließen, daß die Zahl der Eingeweihten fehr gering gewefen ift. Zu diefen gehörten in erfter Linie Häuptlinge und Zauberer vom Volk der Wagindo und Wapogoro, deren Stammesbeziehungen im füdlichen Teil der Kolonie, namentlich in den Bezirken Kilwa, Mohoro, Mahenge und Sfongea fehr ausgebreitet find.
Die wirkfamfte Rolle beim Aufwiegeln des Volkes fcheinen die Wagindohäuptlinge Kinjalla, auch Omari Kinjagalla genannt, und Kapolo aus Madaba gefpielt zu haben.
Weshalb gerade die Häuptlinge und Medizinmänner, die uns während des Aufftandes meift unter der Bezeichnung »Hongo« begegnen, im Gegenfa^ zu dem niederen Volk, Urfache hatten,
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